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Mittwoch, 10.10.2018

Ventil für Verklemmte

Von Martin Schwickert

Ein Hinweis vorweg: Falls Sie mit Ihrem Kind vor dem Kinoschaukasten stehen, auf den Fotos die an die „Muppet Show“ erinnernden Puppen entdecken und einen gemeinsamen Kinobesuch erwägen – tun Sie es nicht! So knuddelig die Puppen auch ausschauen, „The Happytime Murders“ ist kein Film für Kinder!

Zwar fungiert als Regisseur Brian Henson, Sohn des Muppet-Show-Veteranen Jim Henson, aber bei der Erziehung des Jungen scheint irgendetwas gründlich schiefgegangen zu sein. Dabei fängt die Angelegenheit durchaus vielversprechend wie ein Muppet-Film-Noir an. In einem düsteren Los Angeles werden die Puppen von den Menschen als Wesen zweiter Klasse be- und misshandelt. Hier ermittelt der abgeklärte Puppendetektiv Phil Philips mit seiner früheren Polizeikollegin Connie Edwards (Melissa McCarthy) in einem Serienmord, der die beiden in schmuddelige Pornoläden, auf den Puppenstraßenstrich und in finstere Ganovenquartiere führt. Das öffnet die Tür für regelmäßige Massaker, einen auf die Dauer doch recht ermüdend obszönen Sprachgebrauch und einige bizarren Puppensexszenen, in denen das Ejakulat schon mal eine halbe Minute lang kreuz und quer durch den Raum spritzt.

Derlei Geschmacklosigkeiten sind als humorvolle Provokation gedacht, aber vor allem Ausdruck jener gesellschaftlichen Verklemmtheit, die im US-Kino oft in Form von drastischen Komödien ihr Ventil sucht. Darüber hinaus hat „The Happytime Murders“ wenig zu bieten. Die Geschichte stolpert ambitionslos der vorhersehbaren Fallaufklärung entgegen und die aufgestellten Rassismus-Analogien zwischen Puppen und Menschen verlaufen sich schon bald in albernen Dauerfrotzeleien.

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