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Freitag, 08.06.2018

Til Schweiger grollt

Die „Tatort“-Sommerpause steht an. Nur ein Krimi ist neu, der aus Hamburg. Sein Star befürchtet einen Zuschauerflop.

Von Bernd Klempnow

In dem Gesicht kann man eine Kurzgeschichte lesen: Wenn der Schauspieler Til Schweiger so schaut, ist seine Figur sauer und zu allem bereit.
In dem Gesicht kann man eine Kurzgeschichte lesen: Wenn der Schauspieler Til Schweiger so schaut, ist seine Figur sauer und zu allem bereit.

© dpa

Til Schweiger übt sich wieder mal in einer seiner wenigen Typ-Varianten: Er gibt nicht den „Keinohrhasen“-Verknallten, sondern den Vergnatzten. Obwohl der Norddeutsche Rundfunk gerade angekündigt hat, einen neuen Hamburger „Tatort“ mit Schweiger als Kommissar Nick Tschiller zu entwickeln, grollt der 54-Jährige.

Der Grund: Sein Kino-„Tatort: Tschiller: Off Duty“ wird am 8. Juli in der ARD erstmals gesendet – während der Fußballweltmeisterschaft und in dem Zeitraum, in dem ansonsten keine neuen Krimis gezeigt werden. Wegen der niedrigeren Einschaltquoten im Sommer gelten TV-Premieren in der warmen Jahreszeit als schwierig. „Ich weiß, wie das jetzt ausgeht: Der Film wird vielleicht drei oder vier Millionen Zuschauer machen, und dann schreiben alle: Der ,Tatort‘ ist im Kino gefloppt, jetzt floppt er auch im Fernsehen“, so der Star. Tatsächlich war der 2016 in den Lichtspielhäusern angelaufene Film für seine Verhältnisse kein großer Hit. Insgesamt wurden nur etwa 280 000 Besucher gezählt.

Der NDR begründete die Ausstrahlungsentscheidung damit, dass der Film mit 130 Minuten deutlich länger als die üblichen 90 Krimiminuten sei. Daher komme dafür nur ein Sonntag ohne „Anne Will“ infrage. Und, an dem Tag ist WM-Pause, da die Viertelfinalspiele bereits am Freitag und Sonnabend entschieden werden.

In dem Kino-„Tatort“ findet die Auseinandersetzung der Kommissare Nick Tschiller (Til Schweiger) und Yalcin Gümer (Fahri Yardim) gegen den Hamburger Astan-Clan ihr actiongeladenes Ende. Viermal war zuvor das NDR-Ermittlerteam bereits im Kampf gegen die Bösen im Ersten zu sehen gewesen.

Die Teile gehörten mit zu den brutalsten und unrealistischsten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Tschiller, mit der Groll-Mimik Schweigers gespielt, ballert wie unter Drogen. Er hat im Alleingang den Tod seiner Ex-Frau aufzuklären und muss seine von Organhändlern nach Moskau verschleppte Tochter retten.

Die Zuschauerquoten waren gut, aber nicht überragend. Kaum mehr, als wenn bei den Privaten zum x-ten Mal die herzigen „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“-Erfolgsstreifen laufen.

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