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Montag, 11.06.2018

Sommermärchen für Softies

Das erste Eigenfestival der Dresdner Band Woods of Birnam sorgt für Tiefenentspannung.

Von Tom Vörös

Man hörte sie beinahe rauschen, die Blätter, als die zwei Damen von Joco ihre sanften Weisen in der Konzertmuschel erzeugten. Viele suchten am Sonnabend ein bisschen Frieden auf dem Konzertplatz Weißer Hirsch. „Come to the Woods – Kommt in den Wald“ die Dresdner Band Woods of Birnam, bekannt durch ihre Hamlet-Aufführungen im Schauspielhaus, hatte auf die lauschige Lichtung geladen.

Und sie kamen in Scharen, Jung und Alt, Familien, Musiker und Politiker. Silvana „Silli“ Mehnert von der A-Cappella-Band Medlz und auch SPD-Mann Martin Dulig zog es auf die lauschige Lichtung. Nur kurz gebrochen wurde der Frieden zunächst von Kat Frankie. Die Australierin, ganz in Rot gekleidet, ist mit ihrem Album „Bad Behaviour“ in vielerlei Ohren, glänzte durch quirlige Bühnenpräsenz und treibende Musik. Nach einem Regenschauer wurde es wieder sanfter.

Nicht so beim Nachfolger Enno Bunger. Trotz floskelreichen Befindlichkeits-Pops à la „Ich muss scheitern“ und „Wo bleiben die Beschwerden?“ schafft es der junge Mann mit dem roten Drosselbart, sein Publikum ebenso an sich zu binden wie die Hauptband des Abends. Den Gitarristen Philipp Makolies hat er sich gleich mal von Woods of Birnam ausgeliehen. Die wiederum waren mit anderem Sänger mal Polarkreis 18, das Personalkarussell dreht sich eben manchmal wie das Wetter. „Ich wollte so gern dabei sein beim Festival“, so Bunger. „Mein Bruder war hier mal Bassposaunist an der Semperoper. Und wer sagt, dass Dresden Pegida-Hauptstadt ist, dem hau ich auf die Schnauze, ich bin eigentlich Pazifist.“ Ein Beifallssturm blies zur Bühne, erste schüchterne Tänze folgten.

Glücklicher Christian Friedel

Alle warteten auf Woods of Birnam und den singenden Schauspieler Christian Friedel, der schon durch den Abend führte. Bei ihm ist alles zurzeit auf „Grace“, Anmut, geeicht – die gelbe Glitzerjacke, die Neonschrift, das gleichnamige Album, das im Oktober erscheint. Seine hohe klare Stimme, die halligen Effekte, die exaltierte Bühnenpräsenz – da fühlte man sich zuweilen wie ein Musical-Besucher.

Und spätestens zur Hamlet-Hymne ging der Frieden endgültig in die Brüche. Alles klatschte, tanzte. „Ohne euch wären wir nie so weit gekommen, hätten nie die 100. Hamlet-Vorstellung gespielt“, so Friedel. „Das Festival ist ein Geschenk an euch.“ Schließlich wird die Lichtung gar zur 80er-Jahre-Disko. „Ihr seid ja verrückt, sagt Friedel immer wieder. Und meint vielleicht auch sich selbst und den Ehrgeiz, 2019 erneut den Konzertplatz zu füllen.