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Freitag, 11.05.2018

Smartphone statt Degen

Musik- und Kunststudenten bringen eine moderne Version von Mozarts „Cosi fan tutte“ auf die Bühne. Doch leider versäumt die Regie Wesentliches.

Von Jens Daniel Schubert

Jedes Jahr kooperieren die Hochschulen für Musik und Bildende Künste bei einer Operninszenierung im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Dieses Jahr steht Mozarts „Così fan tutte“ auf dem Programm. Es ist spannend, den Nachwuchs auf der Bühne zu erleben. Das hat sich allerdings noch nicht herumgesprochen. Es gab schon bei der dritten Vorstellung viele freie Plätze.

Diese Vorstellung zerfiel in zwei Teile, nicht nur, weil nach der Pause Jurij Kravets am Pult stand. Sein umsichtiges Dirigat weckte Lust auf mehr. Vielleicht hätte er beispielsweise die Ouvertüre weniger schnell, dafür aber dynamisch differenzierter und spritziger gestaltet als der Chef Franz Brochhagen, der anfangs das Hochschulorchester leitete. Die Inszenierung von Barbara Beyer verläuft sich im 1. Akt in zahllosen Mätzchen, unmotivierten Aktionen und lässt die jungen Sängerdarsteller im Wesentlichen, also bei der Findung ihrer Figuren, Haltungen und Beziehungen, allein. Warum Meinhard Möbius als klangvoller Don Alfonso im „Soave il vento“ plötzlich, und nur dieses eine Mal, Lust auf Fiordiligi bekommt, was ihn überhaupt motiviert, ist nicht zu sehen.

Schön gesungen

Ausstatterin Rimma Elbert hat ein luftig-nobles Penthouse gebaut und die Darsteller in heutige Garderobe zwischen Schlabberlook und feschem Mini gesteckt. Warum die Mädels Smartphone und Tablet haben, aber die Musik aus einem alten Kassettenrecorder erklingt, sie ihre abwesenden Freunde nicht einfach anskypen und wie in diese Welt die Zofe Despina passt, bleibt unbeantwortet. Wie viel spannender wäre es, wenn die Studenten in Reifrock, Kniehosen und Zopfperücke erlebbar machen würden, dass die zwischenmenschlichen Probleme seinerzeit wie heute kaum andere sind. Dazu müsste man dies jedoch herausarbeiten. Im zweiten Akt, wenn sich die Personen nahekommen, wenn logisch ist, wer sich wie verhält, zeigen die Studenten deutlich, dass sie mehr können. Wenn etwa Jakob Kunath als sehr überzeugender Guglielmo Dorabella verführt und mit den Augen ganz woanders ist. Wenn Rahel Brede in dieser Rolle plötzlich strahlend verliebt erscheint. Schwerer haben es Gloriela Villalobos Torres als Fiordiligi und Ruihang Sun als Ferrando. Ihnen fehlen Haltungen, szenische Angebote für ihre großen Arien, die sie dennoch sehr beachtlich singen. Annina Battaglia ist eine spritzige Despina. Ihre Rolle ist im Beziehungsgeflecht allerdings völlig ungeklärt.

Insgesamt wird schön gesungen, inszenatorisch bleibt „Cosi“ aber unausgegoren, inkonsequent und wenig erhellend. Wie sollen Studenten so lernen, Gesang aus Haltung zu entwickeln, Spiel und Musik in Einklang zu bringen? Leider ist es nicht die erste Hochschulinszenierung mit diesem Manko. Vielleicht waren ja auch deshalb so viele Plätze frei.

Wieder am 13., 28. und 31. Mai, sowie 02. und 05. Juni; Kartentelefon 0351/4913555

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