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Mittwoch, 10.10.2018

Singen, schnüffeln, schießen, sterben

Von Martin Schwickert

Seine goldenen Zeiten hat das Hotel „El Royale“ hinter sich und fungiert mittlerweile als Billigabsteige, in der nur ein einsamer Angestellter seinen Dienst verrichtet. An diesem Nachmittag checken gleich vier Gäste ein und dass sie keine gute Zeit miteinander haben werden, ist schon im Filmtitel festgeschrieben. Aber was Regisseur und Drehbuchautor Drew Goddard in „Bad Times at the El Royale“ aus seiner kleinen Figurenkonstellation herausholt – das ist schon phänomenal und auf einer Strecke von 141 Filmminuten nicht einen Moment langweilig.

Von einem versteckten Gang aus hat der Hotelangestellte dank halbdurchlässiger Spiegel direkten Einblick in jedes Zimmer. Der Staubsaugervertreter (Jon Hamm), der die Honeymoon-Suite nach Wanzen durchsucht, die Sängerin (Cynthia Erivo), die für ihren ersten Soloauftritt übt, der Priester (Jeff Bridges), der die Dielenbretter seine Zimmers aushebelt, die Hippiebraut (Dakota Johnson), die eine junge Frau als Geisel an den Stuhl fesselt, sind erst der Anfang einer Figurenaufstellung, die zunehmend an krimineller Komplexität gewinnt. „Bad Times at the El Royale“ ist ein Film der sich der Hierarchisierung in Haupt- und Nebencharaktere verweigert. Es wird geschossen und gestorben und das nicht zwingend entlang der Gehaltsliste der Darsteller. Szenen werden zurückgespult, um sie aus der Perspektive einer anderen Figur zu zeigen.

Plotwendungen setzen mit schafottartiger Schärfe echte Überraschungseffekte frei. Und dann ist da noch die Sängerin Cynthia Erivo, die in ihrem Kinodebüt eine enorme Leinwandpräsenz entwickelt. Ihre A-cappella-Interpretationen alter Motown-Songs sind schlichtweg atemberaubend.

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