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Samstag, 22.02.2014

Semperoper wirft neuen Intendanten raus

Noch bevor Serge Dorny sein Amt antreten kann, kündigt der Freistaat den Vertrag. Nun geht die Suche von vorne los.

Von Heinrich Löbbers

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Serge Dorny
Serge Dorny

© Robert Michael

Dresden. Solche schroffen Töne passen überhaupt nicht zu Sachsens Kunstministerin. Doch Sabine von Schorlemer scheint tief empört zu sein: „Um Schaden von der Oper im In- und Ausland abzuwenden, sehen wir zu einer sofortigen Kündigung keine Alternative mehr“, ließ sie am Freitag verlauten. Der Rauswurf des designierten Semperoper-Intendanten Serge Dorny überraschte die Kulturszene vollends.

Denn der hochgelobte Dorny verliert seinen Posten, bevor er ihn überhaupt offiziell antreten konnte. Im Herbst hatte der 52-Jährige seinen Vertrag unterschrieben, am 1. September sollte er als Intendant beginnen. Während der Vorbereitungen für die neue Spielzeit kam es dann in den letzten Monaten offenbar zu Zerwürfnissen.

Dorny habe ihm entgegengebrachtes Vertrauen in kürzester Zeit verspielt, erklärte Sabine von Schorlemer. Und sie stellt fest, dass er „leider kein Klima des gedeihlichen und vertrauensvollen Miteinanders mit den Mitarbeitern, sowohl in den künstlerischen als auch in den administrativen Bereichen der Oper, etablieren konnte“.

Während der Vertragsverhandlungen sei Dorny umfassend über die Situation der Sächsischen Staatsoper und bestehende Rechte, etwa der Staatskapelle und Dritter, informiert worden. „Trotzdem wurde in den vergangenen Monaten deutlich, dass Herr Dorny nicht bereit war, sich auf die vorliegenden Bedingungen einzulassen und die Entscheidungsprozesse an einem großen Repertoiretheater zu akzeptieren. Entscheidungen seien „unangemessen kommuniziert, die Verantwortlichen nicht eingebunden und der Betriebsfrieden dadurch nachhaltig gestört“ worden.

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Eine Reaktion Dornys, der seit 2003 die Oper in Lyon leitet, gab es zunächst nicht. Er sollte in Dresden die Nachfolge von Ulrike Hessler antreten, die im Sommer 2012 verstorben war. Sein Vertrag war auf fünf Jahre anberaumt. Als Jahresgehalt sollen etwa 300 000 Euro vereinbart gewesen sein. Nun geht die mühsame Suche nach einem neuen Intendanten von vorne los.

Er wolle gemeinsam mit Dirigent Christian Thielemann, „ein neues Kapitel in der Geschichte dieses Hauses schreiben“, hatte Dorny bei Vertragsunterzeichnung gesagt. Im Interview mit der Sächsischen Zeitung hatte er im November allerdings kritisiert, die Semperoper habe den „gefährlichen“ Ruf einer Touristenoper. „Sie ist nicht mehr essenziell für Dresden. Sie erscheint nurmehr wie ein Ort der hehren Kultur“, sagt er in dem Gespräch.

Drei Monate später stellt Ministerin von Schorlemer nun „sehr unterschiedliche Vorstellungen über die notwendige Kultur zur Führung eines großen europäischen Opernhauses“ fest.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Thecki1

    Da würden mich aber mal die Hintergünde interessieren. Er war Leiter des London Philharmonic Orchestra und danach Leider der Oper in Lyon aber jetzt in Dresden ist er "untragbar"? Wie kommt das? War er denn in London oder Lyon auch schon "untragbar" oder nur in Dresden? Möglicherweise ist ja auch das sächsische Kultusministerium mit seinen Vorstellungen untragbar?

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