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Montag, 12.02.2018

Schmalzfreie schwedische Sahnerocker

Die schwedische Rockband Mando Diao startet in Dresden mit viel Energie neu durch.

Von Tom Vörös

Spätestens als das Wort „Gloria“ aus Tausenden Kehlen lauthals durch den ganzen Saal schallte, hatten die Schweden endgültig gesiegt. Mando Diao heißt die Band aus dem hohen Norden, die in den letzten Jahren so ziemlich alles abgeräumt hat, was die Musikbranche so hergibt. Nur eines hatte man den Ohrwurm-Rockern wohl nicht zugetraut – dass sie auch ohne ihr Erfolgs-Duo am Mikrofon weiter ganz oben mitschwimmen.

Doch Björn Dixgård beweist auch nach dem Weggang seines Ex-Gesangsgefährten Gustaf Norén, dass die Band noch nicht fertig ist mit der Musikwelt. Zwar mussten er und seine teils neuen Mannen energisch betonen: „Wir SIND Mando Diao!“ Aber das war zu keiner Zeit nötig.

Denn was sie am Sonnabend trotz leicht widriger Klangverhältnisse im ausverkauften Alten Schlachthof ablieferten, ließ die oft totgesagte Rockmusikszene tief Luft holen. Erstaunlicherweise war es nicht nur Bandleader, Gitarrist und Hauptsänger Björn Dixgård, sondern die gesamte Mannschaft, die den im großen weißen Bühnenbanner unauffällig eingestickten Namen Mando Diao wieder auf die Landkarte berühmter Bands setzte. Fast alle Bandmitglieder ließen sich zwischen den Songs des Comeback-Albums „Good Times“ zu Ansagen hinreißen. Bassist Carl-Johan Fogelklou glänzte gar mit Deutschkenntnissen: „Ihr seid das beste Publikum in Deutschland! Vielleicht.“ Überhaupt wurde den Anwesenden viel geschmeichelt, obwohl es gar nicht nötig war. Oder vielleicht doch? Mit großem Willen zur Animation – Schlagzeuger Patrik Heikinpieti kam oft zum Aufpeitschen der Masse an den Bühnenrand – ließ sich das Publikum nach mehreren Anläufen zum Mitsingen mitreißen. Und beim finalen „Dance With Somebody“ verwandelte sich der Schlachthof gar in eine Großraumdisko.

Auch das neue Album ist live ein Hinhörer: Zwischen stampfenden Geradeaus-Rockmusikklängen öffneten Dixgård und seine Nordmänner auch mal die Balladenschublade. Erträglich, denn Dixgårds rau-kraftvolles Gesangsorgan funktionierte
nahezu schmalzfrei. Nach dieser Gesangs- und Gesamtleistung dürfte wohl jedem klar geworden sein: Die Band Mando Diao will unbedingt im Rampenlicht alt werden.

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