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Dienstag, 09.05.2017

Schau zu Sachsens erstem Heiligen

Er ist Sachsens erster Heiliger, Schutzpatron von München und des Bistums Dresden-Meißen. Eine erste große Schau feiert und hinterfragt den legendären Bischof Benno und seine Heiligsprechung - für Luther der „Teufel“.

Was ist ein Heiliger? Was kann heilig sein? Welche Werte verbinden sich damit für eine nicht christliche Gesellschaft? Diese und andere Fragen wirft eine neue Ausstellung auf.
Was ist ein Heiliger? Was kann heilig sein? Welche Werte verbinden sich damit für eine nicht christliche Gesellschaft? Diese und andere Fragen wirft eine neue Ausstellung auf.

© Staatl. Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH

Meißen. Schutzpatron, Glaubensbote, Friedensstifter - mitten im 500. Jahr nach dem Beginn der Reformation wird auf der Meißner Albrechtsburg Sachsens erster Heiliger näher beleuchtet. Die erste große bundesweite Ausstellung über Leben, Wirken und Verehrung des Bischofs Benno von Meißen trägt den Titel „Ein Schatz nicht von Gold“ (12. Mai bis 5. November). „Seine Amtszeit 1066 bis etwa 1106 reicht weit ins Mittelalter“, sagt Kuratorin Claudia Kunde. Benno ist Schutzpatron des Bistums Dresden-Meißen sowie der Fischer und Tuchmacher und Apostel der slawischen Sorben - und Münchens.

Rund 200 Exponate aus dem In- und Ausland zeichnen den Weg des Mönchs in Europa nach, der zu Lebzeiten vor allem als Missionar galt und während des Investiturstreits um die Amtseinsetzung von Geistlichen ein Friedensstifter war. „Es geht nicht darum zu zeigen, wie bedeutend und groß Benno ist“, erklärt Kunde, eine Kunsthistorikerin. Thema sei die kultische Heiligenverehrung: „Was ist ein Heiliger? Was kann heilig sein? Und welche Werte verbinden sich damit für eine nicht christliche Gesellschaft?“

Benno wurde um 1010 oder 1020 nahe Hildesheim (Niedersachsen) geboren. Über seine frühen Jahre ist nichts Genaues überliefert. 1031 wird er Mönch, 1041 zum Priester geweiht und kurz darauf Abt des Benediktinerkloster St. Michael. 1066 dann erhielt er die Berufung zum Bischof des Bistums Meißen, was er 40 Jahre lang blieb - mit einer Unterbrechung: Der zur Treue gegenüber Heinrich IV. verpflichtete Reichsbischof hatte sich dem königlichen Heeresaufgebot gegen die aufständischen Sachsen 1073 und 1075 verweigert.

Laut seinem Biograf soll Benno nach der Absetzung auf der Mainzer Synode 1085 den Dom abgeschlossen und den Schlüssel in die Elbe geworfen haben. Als er drei Jahre später wieder eingesetzt wurde, fand er den Schlüssel der Legende nach bei der Rast in einem frischgefangenen Fisch. Es ist eines der in Büchern dokumentierten „Benno-Wunder“, die auch auf Betreiben Herzog Georgs des Bärtigen von Sachsen zur Heiligsprechung 1523 durch Papst Hadrian VI. führten.

In den Wirren der Reformation und Gegenreformation löste das eine reichsweite Kontroverse aus. Martin Luther wetterte 1524 in seiner Flugschrift „Wider den Abgott und Teufel, der zu Meißen erhoben werden soll“ gegen die geplante Erhebungsfeier von Bennos Reliquien. Mit Einführung der Reformation wurde dessen Grab aufgebrochen und zerstört. Seine Gebeine konnten zuvor über Umwege gerettet, versteckt und 1576 an das bayerische Herzogshaus nach München übergeben werden.

An Bennos einstiger Wirkungsstätte in Meißen gibt es laut Kunde keine Zeugnisse von ihm, auch der Dom ist ein Nachfolgebauwerk. Aber die Albrechtsburg, wo Bennos Erhebungsfeier stattfand, gilt als wichtiger authentischer Ort. „Hier erinnert man sich nur spröde an ihn, umso mehr dafür in München, wo ein jährlicher Gedenktag gefeiert wird.“ Von dort kommen sein Hirtenstab und die Büste vom Silberreliquiar im Dom. „Die Ausstellung führt zum allerersten Mal die wichtigen Stücke zusammen“, sagt die Kuratorin.

Bennos Reliquien hätten während der Reformation zum kostbarsten Besitz der Meißner Bischofskirche gezählt. „Sie gelten als Schatz, der mehr als Gold und Silber ist.“ Dazu gehört auch Bennos Mitra aus der Dresdner Trinitatiskirche. Der Bischofshut war in den Wirren der Reformation nach München gerettet worden und 1942 nach Sachsen zurückgekehrt - ein Weihgeschenk des Erzbistums München und Freising.

Die Schau setze einen Kontrapunkt zum Luther-Hype in diesem Jahr, bemerkt der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten, Christian Striefler. Am Beispiel Benno werde gezeigt, „wie wichtig in der Geschichte Symbolpolitik war und noch immer ist“. (dpa)