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Montag, 08.10.2018

Ruhrpott auf Russisch

Der Dortmunder „Tatort“ gibt sich mal wieder besonders brutal und verwegen. Welch ein Unterschied zu Dresden!

Von Marcus Thielking

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Mehr Dortmund geht nicht: In einem illegalen Klub prügeln sich Kampfsportler vor maskiertem Publikum zu Tode. Samuel Finzi (li.) spielt einen dubiosen russischen Oligarchen.
Mehr Dortmund geht nicht: In einem illegalen Klub prügeln sich Kampfsportler vor maskiertem Publikum zu Tode. Samuel Finzi (li.) spielt einen dubiosen russischen Oligarchen.

© WDR/Thomas Kost

Dortmund muss eine schreckliche Stadt sein. Gefühlt geht es in jedem „Tatort“ aus dem Ruhrpott um Zuhälter, Drogendealer, Nazis, Rockerbanden oder Terroristen. Das Leben in Dortmund ist dreckig, brutal, und mörderisch. Kein Wunder, dass die Ermittler der Mordkommission immer kurz vorm Durchdrehen sind. Normale Morde wegen Eifersucht oder so gibt es hier nicht. Diesmal wird eine verkohlte Leiche gefunden, und bald geht es um russische Oligarchen, Nutten und einen Schläger-Klub, in dem sich die Kämpfer im Ring umbringen. Mehr Dortmund geht nicht.

Wie beschaulich sind dagegen die Milieus, in denen sich Dresdner „Tatorte“ abspielen: Online-Datingportale, Versicherungen, Schlagermusik – hier ist die Welt noch in Ordnung. Dennoch gibt es zwischen DD und DO Gemeinsamkeiten. Die Ermittler sind hüben wie drüben notorisch schlecht gelaunt. Ihre privaten Probleme werden über mehrere Folgen hinweg als eigene Geschichte erzählt. Und die Chefs der Mordkommissionen sind in beiden Städten berüchtigt für ihre Macho-Sprüche. Anders als in Dresden ist es beim Dortmunder „Tatort“ jedoch von Anfang an gelungen, einen ganz eigenen Krimi-Stil zu entwickeln. Die Geschichten mögen manchmal etwas übertrieben sein, so wie in dieser Folge namens „Tod und Spiele“. Aber im Großen und Ganzen ist die Atmosphäre stimmig, ob einem die Ruhrpott-Rotzigkeit gefällt oder nicht. Auch der Neue, ein betont cooler, junger Polizeihauptkommissar namens Jan Pawlak, fügt sich schon ganz gut ins Team.

Negativ fällt auf, dass das Drehbuch am Ende nicht den Mut zur Konsequenz beweist wie in früheren Folgen. Offenbar will man die Gemütlichkeit des Sonntagabends auf den Sofas zwischen Dortmund und Dresden nicht allzu sehr zerstören. Das Happy-End hat fast schon Rosamunde-Pilcher-Potenzial und passt nicht so recht zum rauen Charakter der Geschichte.

Bislang steht oder fällt jeder Dortmunder „Tatort“ nicht zuletzt damit, wie herrlich bitterböse Kommissar Faber drauf ist. Schauspieler Jörg Hartmann entwickelt mit dieser Rolle längst so viel Eigenleben wie einst Peter Falk mit Columbo. In diesem Fall ist er zum Glück wieder ein bisschen schlechter gelaunt als in jüngster Zeit. Aber dass er am Ende seine Kollegin Bönisch (Anna Schudt) anlächelt, verheißt für die Dortmunder Zukunft nichts Gutes.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Egbert

    Dortmunder Tatorte strengen an. Gut so. Allerdings funktioniert dieser nur auf Grund der Besetzung. Dieser Tatort war allerdings ein glatter Griff ins Klo. Bemühte Schauspieler versuchen einem blassen Drehbuch Farbe zu geben, es gelingt den ganzen Film nicht. Habe mich die letzte halbe Stunde regelrecht quälen müssen. Wertung? Kann definitiv weg.

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