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Mittwoch, 14.02.2018

Rudolf Mauersbergers „Sommermusik“ wird wiederentdeckt

Einst galt es als „zu katholisch“. Jetzt feiert die Singakademie Dresden das kunstvolle Werk.

Von Bernd Klempnow

Volle Konzentration und großes Vertrauen in die Jungs: Rudolf Mauersberger bei der Arbeit mit seinem Kreuzchor.
Volle Konzentration und großes Vertrauen in die Jungs: Rudolf Mauersberger bei der Arbeit mit seinem Kreuzchor.

© Günter Wilms/Archiv:

Das Wunder der alljährlich erwachsenden Natur – in wenigen Gesängen ist es wohl so kunstvoll und bildhaft gestaltet wie in der „Geistlichen Sommermusik“ von Rudolf Mauersberger. Chöre jubilieren, Alt und Sopran preisen des Herrn Schöpfung, und nur eine Orgel rahmt den Gesang. 1948 hatte der Kreuzkantor das knapp einstündige Werk komponiert – als Abschluss einer ungewöhnlich kreativen Schaffensperiode abendfüllender Stücke.

Nun ist es neu zu erleben, dank einer Aufnahme der Dresdner Singakademie. Akademie-Leiter und Ex-Kruzianer Ekkehard Klemm hat sein Ensemble seit einigen Jahren auf die Auseinandersetzung mit Mauersberger eingeschworen. So liegt unter anderem dessen „Johannespassion“ bereits als CD vor.

Auch die neue Scheibe ist ein Gewinn. Sie spiegelt einerseits die kompositorische Meisterschaft des bis heute populären Chorleiters (1889 – 1971) wie auch sein naives Gottesverständnis wider. Dabei rankt sich eine Geschichte um die „Sommermusik“, die die Wiederentdeckung umso reizvoller macht. Im CD-Heft ist sie plastisch beschrieben: Mauersberger wollte die evangelische Kirchenmusik dahingehend beleben, dass seine gewichtigen Kompositionen in den liturgischen Rahmen eingebunden wurden. Das zeigte sich beispielsweise in der mehrchörigen Aufstellung, der verschiedenfarbigen Kleidung der Sänger oder in den Ein- und Auszügen derer. Zeitgenossen war das zu „katholisch“. Der Kreuzkantor erfuhr viel Skepsis. Also suchte er Orte, die nicht so im Fokus der landeskirchlichen Behörden waren wie die Dresdner Kreuzkirche als die evangelische Hauptkirche der Stadt.

Mauersberger fand ihn in einer anderen Kreuzkirche, dem groß dimensionierten, akustisch ansprechenden Gotteshaus von Seifhennersdorf in der Lausitz. Im Mai 1949 erfolgte hier die aufsehenerregende Uraufführung der „Sommermusik“. Weitere ambitionierte Uraufführungen folgten.

Es gibt mehrere Aufnahmen dieser Lobpreisung – auch eine von der Uraufführung. Beim Hören der aktuellen CD staunt man. Es sind schwere Gesänge, enorm, dass der Kantor sie einst mit einem Knabenchor und dem ganz jungen Peter Schreier im Solopart realisieren konnte. Die Singakademie ist heute mit 75, von Klemm bestens vorbereiteten Sängern, zwei Profi-Solisten und weiteren 25 Kindern so stark und groß aufgestellt, um den vom Komponisten angestrebten romantischen Ansatz idealtypisch umzusetzen.

Singakademie Dresden unter Ekkehard Klemm: Rudolf

Mauersberger – „Geistliche Sommermusik“ (Querstand)

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