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Montag, 28.05.2012

Premiere für internationales Festspielorchester in Dresden

Dresden galt einst als erste Adresse für Musiker und Komponisten aus ganz Europa. An diese Zeit möchten die Musikfestspiele anknüpfen. Jetzt gibt es sogar ein eigenes Festspielorchester.

Dresden. Als Hommage an die reichen musikalischen Traditionen Dresdens hat sich am Pfingstmontag in der Elbestadt ein international besetztes Festspielorchester formiert. Es vereint Musiker aus führenden Ensembles der Alten Musik in Europa und wird vom Briten Ivor Bolton geleitet. Als Konzertmeister agiert der Italiener Giuliano Carmignola. Die Musiker stammen aus Formationen wie der Academy of Ancient Music, dem Orchestre Révolutionnaire et Romantique, Il Giardino Armonico oder dem Concentus Musicus Wien. Musiker aus Dresden sitzen nicht mit auf der Bühne.

Frenetischer Applaus

Zur Premiere spielte das Ensemble in der Semperoper ein Programm mit Werken des 18. Jahrhunderts - von Johann Gottlieb Naumann über Friedemann Bach und Joseph Haydn bis hin zu Mozart und Beethoven. Sopranistin Danielle de Niese erwies sich mit wechselnder Robe auch optisch als Ereignis und sang unter anderem die Mozart-Motette „Exsultate, jubilate“. Sie wurde am Ende genauso frenetisch gefeiert wie Bolton und seine Musiker, die auf historischen Instrumenten spielten und ein musikalisches Feuerwerk entzündeten. Das Publikum applaudierte im Stehen.

Carmingnola sieht in dem Projekt eine Initialzündung. Antonio Vivaldi habe ein Konzert für das hochgelobte Orchester in Dresden geschrieben. „Ich hoffe, dass sich das Projekt nach den Festspielen weiterentwickelt. Das sollte kein Orchester für nur eine Gelegenheit sein.“ Unklar scheint indes noch, in welchen Abständen und zu welchen Anlässen sich das Dresdner Festspielorchester treffen wird. Bolton entschuldigte sich am Montag dafür, dass sein Ensemble noch kein richtiges Zugaben-Repertoire vorweisen könne. „Es ist ein ganz junges Orchester, das nächste Mal spielen wir mehr.“

Am Pfingstwochenende warteten die Festspiele in Regie von Jan Vogler mit einem opulenten Programm auf. Bei der Dresdner Philharmonie mit Markus Poschner war Geiger Vadim Repin zu Gast. Star-Geigerin Patricia Kopatschinskaja musizierte mit ihrer Familie in der Gläsernen VW-Manufaktur und riss das Publikum auch mit osteuropäischer Folklore zu Beifallsstürmen hin. Das Ensemble Café Zimmermann aus Frankreich interpretierte im Palais Großer Garten ein Programm mit Barockmusik aus Wien und hätte nach dem Geschmack des Publikums wohl noch stundenlang so weiterspielen können.

Eine Rarität

Die Dresdner Kapellsolisten unter Helmut Branny brachten am Sonntag eine Rarität auf die Bühne. Nach 177 Jahren erklang erstmals wieder die Oper „La Casa Disabitata“ von Prinzessin Amalie von Sachsen konzertant. Die Partitur war seit den Kriegswirren 1945 verschollen und von der Dresdner Oboistin Petra Andrejewski in einer Moskauer Bibliothek aufgespürt und rekonstruiert worden. Musiker und Sänger widmeten sich dem Werk mit Hingabe und bekamen zu Recht viel Applaus. Amalie von Sachsen galt damals als gute Pianistin und hatte auch bei Carl Maria von Weber Unterricht genommen.

Der Dresdner Kreuzchor sang parallel im Schlosspark von Pillnitz. Am Sonntagabend stellte sich das Orchester des Mariinsky-Theaters mit Valery Gergiev am Pult in der Semperoper vor. Jan Vogler trat als Solist bei Arthur Honeggers Cello-Konzert auf und bekam wie die Russen für ihre Sicht auf Richard Strauss' „Heldenleben“ viel Beifall. Noch bis kommenden Sonntag dauern die Festspiele unter dem Motto „Herz Europas“ an. Gäste sind unter anderen noch das Artemis Quartett, Schlagzeuger Martin Grubinger und Pianistin Hélène Grimaud. Den Schlusspunkt setzt das Orchester der Mailänder Scala. (dpa)