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Mittwoch, 15.03.2017 Zugabe

Pegida als Touristenmagnet

Von Oliver Reinhard

Gemeinsam Volk sein, gemeinsam Gesicht zeigen gegen das Merkel-Regime: „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ beim montäglichen Ritual.
Gemeinsam Volk sein, gemeinsam Gesicht zeigen gegen das Merkel-Regime: „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ beim montäglichen Ritual.

© dpa

Wir müssen umdenken. Gründlich. Zu lange schon hingen wir dem Aberglauben an, die montäglichen Pegida-Spaziergänger würden dem Image von Dresden schaden und für anhaltend sinkende Touristenzahlen sorgen. Das war offenbar ein Irrtum.

Nicht nur sind die Besucherzahlen der Stadt wieder leicht gestiegen; womöglich kommen viele Menschen sogar eigens wegen Pegida an die Elbe. Am Rande der Internationalen Tourismusbörse in Berlin war jedenfalls zu vernehmen, dass die Zahl jener Städtereisenden zunimmt, die explizit montags kommen wollen. Dresden scheint also neben Zwinger, Frauenkirche und Grünem Gewölbe um eine weitere Attraktion reicher zu sein: Pegida-Watching.

Wo sonst in Deutschland kann man auch immer noch ganze Herden von Exemplaren der Gattung „Öhs“ (öffentlich herumpöbelnde Sorgenbürger) in freier Wildbahn beobachten, die sich mit nur wenigen Lauten vollkommen verständigen können: „Volksverräter“, „Lügenpresse“, „Abschieben“, „nu genau“, „so isses“, „jawoll“ – mehr braucht es nicht, um das Miteinander zu regeln und zu ordnen! Eine echte Attraktion.

Das nötige Umdenken verlangt aber auch, dass künftig niemand mehr Pegida bekämpft oder fortwünscht. Im Gegenteil: Um den Tourismus nachhaltig anzukurbeln, sollte die Bewegung unter Artenschutz gestellt oder, besser noch, gleich zum Weltkulturerbe erklärt werden. Damit Dresden auch weiterhin neben den Titeln „Weihnachtsmarkthauptstadt“ und „Geburtenhauptstadt“ mit der bewährten Auszeichnung „Hauptstadt der Bewegung“ punkten kann.

Das würde auch prima zu einem weiteren geplanten Tourismusmagneten passen: Das Stadtmuseum sammelt bereits Exponate von und um Lutz Bachmann & Co. – Pegida soll ein Bestandteil seiner Dauerausstellung zur Stadtgeschichte werden. Die wiederum ließe sich mühelos jeden Montag um eine museale Pegida-Open-Air-Live-Show erweitern. Lebendige Geschichte. Magnetischer geht‘s nimmer.