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Mittwoch, 04.04.2018

Offener Brief im Fall Skripal

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Dresden. In einem von der Malerin Angela Hampel initiierten offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisieren Künstler, Wissenschaftler und Ingenieure die deutsche Regierung, im Fall Skripal „Strafmaßnahmen gegen Russland gefordert, ohne konkrete Beweise zu haben.“

Die Unterzeichner des Briefes fordern die Politiker auf, den Fall ohne Vorverurteilung aufzuklären. Sie schreiben: „Erinnern Sie sich bitte an die Zeit, als sie noch Physikerin waren. Wenn ein Physiker ein Elementarteilchen entdeckt hatte, oder ein Chemiker eine neue Substanz synthetisieren konnte: Welche präzisen und unwiderlegbaren Argumente musste er präsentieren, damit diese Erkenntnisse in das betreffende Fachgebiet aufgenommen wurden. Da nützte es nicht, mit einer Machtgeste oder medialem Rummel zu operieren. Es waren stringente Beweise gefordert.

Anders scheint das in der Politik zu sein: Wer die Macht hat, muss nichts beweisen. Ein paar Behauptungen, zurechtgezimmert und zu Pseudo-Beweisen stilisiert, reichen, um die Massenmedien und über diese einen großen Teil des Volkes zu überzeugen, dass Strafmaßnahmen legitim sind.

Dem kritischen Betrachter erscheint es dadurch oft so, als wäre die Kausalität genau umgekehrt: Nicht das Verbrechen und die darüber offengelegten Beweise sind der Ausgangspunkt für die strafende Maßnahme, sondern die beabsichtigte Maßnahme ist der Ausgangspunkt für die erzeugten Beweise (manchmal auch für das stattgefundene Verbrechen).“ Von der deutschen Bundesregierung erwarten die Unterzeichner, „dass sie sich nachdrücklich für eine Deeskalation in der Russlandpolitik und eine Verbesserung der Beziehungen einsetzt.“ (SZ)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. K.Kaatz

    Mein herzlicher Dank an die Verfasser dieses Briefes! Dass eine unbewiesene Anschuldigung Sanktionen nach sich ziehen kann, ist ein Unding. Unser neuer Außenmininster ist ein Jurist und war Justizminister. Man kann nur sehr schwer glauben. Es wird aufgerüstet, nun baut man sogar wieder Straßen und Brücken auf dem Wege nach Rußland, damit wir uns vor einem "Angriff" schützen können. Hatten wir das nicht schon einmal? Auch damals gab es falsche Anschuldigungen. Die Erde wird genug ökologisch bedroht. Bedrohen wir sie nicht noch militärisch!

  2. Albrecht

    Dringend notwendiger Brief! Überzeugende kausale Kette, die hoffentlich spürbar an "unsere(?) Elite" appelliert, dass sie das Feld seriöser Arbeit in dieser Angelegenheit längst verlassen hat. Wenn ein Herr Maas, Exjustizminister, unrechtmäßig ins Horn zur Schau gestellter Westeuropa-Solidarität bläst, wird mir angst und bange: Was könnte er als NATO-höriger Außenminister noch fabrizieren? Beschwichtigende Lippenbekenntnisse, er wünsche den Dialog mit der Russischen Föderation, entsprechen ebensowenig seinem bisherigen Handeln wie das - nur zum Beispiel, es gibt leider viele - bei NATO-Stoltenberg der Fall ist.

  3. Beobachter

    Ich danke der Redaktion der SZ für die Veröffentlichung dieses Briefes!

  4. Langer

    England und fair Play - das war einmal. Es wird eine Behauptung aufgestellt : Die Spur führt nach Russland. Die einzige Verbindung zu Russland liegt in der Nationalität der Betroffenen. Selbst die Art des Giftes konnte nicht festgestellt, geschweige denn eine Spur nach Russland gefunden werden. Es steht die Frage woher kommt das blinde Wüten der Briten ? Das soll ihr Problem sein. Aber warum reihen sich andere europäischen Staaten bei den Hasspredigern ein, auch Deutschland. Mit der ständig wachsenden Kritik an der Regierung Merkel hören wir beruhigende Worte wie : wir müssen miteinander reden. Gilt das nicht insbesondere im internationalen Rahmen. Nein, das gilt nicht für Russ-land - hier gilt : erst verurteilen, dann fragen

  5. A.Templin

    Wäre es nicht an der Zeit,diesen Brief für eine Petition ,für alle die sich beteiligen wollen,freizugeben mit Unterstützung der SZ. Das Vorgehen gegen Russland im allgemeinen nimmt beängstigende und erschreckende Züge an.DiePolitiker ,die das Volk ständig zur hassfreier Kommunikation aufrufen ,sollten es dem Volk erstmal vorleben. Diese Politik die gegen Russland betrieben wird hat keinerlei Züge von geschickter,kluger Diplomatie ,sondern ist einfach nur noch beschämend und stümperhaft,gefährdet den Weltfrieden und damit uns Menschen.

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