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Dienstag, 02.01.2018

Neues von Marx, Nächte mit der Ex

Auch Neues von Moshammer. Das Fernsehjahr 2018 bringt besonders viel Fußball, große Geschichtsdramen und bietet noch mehr Kuppelshows.

Von Bernd Klempnow

Mario Adorf gibt Karl Marx in dem neuen, derzeit entstehenden ZDF-Dokudrama „Der deutsche Prophet“.
Mario Adorf gibt Karl Marx in dem neuen, derzeit entstehenden ZDF-Dokudrama „Der deutsche Prophet“.

© ZDF

Erfindershow, historische Dramen, viele neue Krimis, Mehrteiler und Serien – das Fernsehen im Jahr 2018 wird wieder bunt, aber auch immer absurder. Welcher Sender wird Ende 2018 die Nase vorn haben? Vermutlich wieder das Erste und das ZDF und vielleicht noch deutlicher als sonst, denn beide übertragen im Sommer einen Monat lang die Begegnungen der Fußball-Weltmeisterschaft, für die sich viele Zuschauer interessieren. Aber auch abgesehen von den sportlichen Höhepunkten wird viel in Programme investiert, denn den traditionellen Anbietern aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Bereich sitzen die immer stärker werdenden Streamingdienste im Nacken. Die TV-Höhepunkte 2018 im Überblick:

Und täglich neue Krimis

Mordfälle werden den Fernsehalltag wieder dominieren. Von den Polizistenserien und gelegentlichen Produktionen in der Woche abgesehen, dürften vor allem die 36 „Tatort“-Teams und einige „Polizeiruf 110“-Produktionen für die sonntägliche Krimi-Unterhaltung sorgen. Wieder mal dreht sich das Personalkarussell: So hört in Ludwigshafen Mario Kopper auf. Seinen Einstand als Kopper hatte Andreas Hoppe 1996 gegeben. Nach 55 Fällen und angeblichen Unstimmigkeiten mit dem Sender verlässt er Ulrike Folkerts, die künftig mit Lisa Bitter weitermacht. Der Abschiedsfall heißt „Kopper“ und läuft am 7. Januar.

Außerdem: Robert Atzorn ermittelt am 15. Januar in der ZDF-Reihe „Nord Nord Mord“ zum achten und letzten Mal auf der Insel Sylt. Das ist schade. Man wird den sympathischen, kantigen Kriminalkommissar Theo Clüver vermissen. Anders im Falle von Hannelore Hoger. Die bricht im Frühjahr im ZDF nach 24 Jahren zu ihrem letzten Einsatz als Bella Block auf – das war überfällig, weil der Mimin schon geraume Zeit die Spiellaune und Textverständlichkeit abhandengekommen sind.

Das Genre Film ist beim privaten Marktführer RTL eher überschaubar. Nach Vorlagen von Sebastian Fitzek werden „Das Joshua Profil“ um einen Mann, der noch nicht weiß, dass er ein entsetzliches Verbrechen begehen wird, und „Passagier 23“ über ein Kreuzfahrtschiff, auf dem unheimliche Dinge vor sich gehen, verfilmt.

„Tatort“-Besonderheiten

In der Schublade des Südwestfunks wartet noch ein zweiter Improvisations-„Tatort“ des Regisseurs Axel Ranisch auf seine Ausstrahlung. Der erste Lena-Odenthal-„Tatort“ von Ranisch mit Laiendarstellern – „Babbeldasch“ – befeuerte Ende Februar 2017 die Debatte um zu viele Experimente. Die „Bild“ nannte ihn den „schlechtesten ,Tatort’ aller Zeiten“.

Apropos Experimente: Eine Innovation, nämlich einen komplett am Stück – also ohne Schnitt – gedrehten Echtzeit-„Tatort“, bietet bald das Schweizer Team. Der Film mit dem Arbeitstitel „Alte Männer sterben nicht“ wurde inszeniert vom Filmemacher Dani Levy („Alles auf Zucker!“). Es geht um einen Mord während eines Benefizkonzerts im Kultur- und Kongresszentrum Luzern. Viermal wurde der Stoff mit Stefan Gubser und Delia Mayer alias Kriminalkommissare Reto Flückiger und Liz Ritschard gedreht – zweimal auf Hochdeutsch, zweimal auf Schweizerdeutsch.

Und was macht Til Schweiger? Nachdem es das ganze Jahr 2017 keinen einzigen Hamburger „Tatort“ mit seinem Action-Ermittler Tschiller gab und die Hansestadt nur am Rande in den NDR-Krimis mit Wotan Wilke Möhring vorkam, ist für 2018 die TV-Ausstrahlung von „Tschiller: Off Duty“ angekündigt. Im Kino war dieser Film für Schweiger-Verhältnisse ein Flop, die Einschaltquote im Fernsehen dürfte dann aber stimmen. Immerhin: Schweiger sagte kürzlich, er freue sich, 2019 weiterzudrehen: „Nach dem Kino-,Tatort’ kann man die Action nicht mehr hochschrauben. Es gibt aber eine Idee für eine erste Folge und wie sich die Geschichte über drei Teile entwickeln kann. Dafür habe ich mir das Team gewünscht, das hinter dem ,Polizeiruf 110’ aus Rostock steckt, für mich übrigens der beste ,Tatort!’“

Dramen der Historie und Neuzeit

Mit Blick auf den 2018 anstehenden 200. Geburtstag von Karl Marx widmet das ZDF einem der wirkmächtigsten Deutschen ein 90-minütiges Dokudrama mit Mario Adorf in der Hauptrolle. In Prag und Umgebung haben die Dreharbeiten für den Film mit dem Arbeitstitel „Der deutsche Prophet. Die letzte Reise des Karl Marx“ begonnen.

Die Rahmenhandlung folgt den Stationen im letzten Lebensjahr von Karl Marx, in dem er und seine Tochter Eleanor gemeinsam auf seinen Werdegang und sein Werk zurückblicken. „Der Film zeigt Marx, der Weltgeschichte schrieb, auch als Privatmann und Familienvater, wie ihn kaum jemand kennt“, sagt Stefan Brauburger, Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte, „und es wird deutlich, wie sich manche Annahmen von Marx in den Finanz- und Wirtschaftskrisen heute widerspiegeln.“

Weiterhin: Eines der größten Programmereignisse muss sich die ARD teilen: Die historische Krimiserie „Babylon Berlin“ lief bereits beim Abo-Anbieter Sky – die 16 Folgen sollen im Herbst 2018 im Ersten zu sehen sein. Außerdem kommen neue sechs Teile der historischen Serie „Weissensee“ ins Programm sowie zwei weitere Anwaltsserien für den Dienstag: „Falk“ mit Fritz Karl und „Die Heiland: Wir sind Anwalt“ in sechs Folgen mit Lisa Martinek.

Zu den neuen Film-Höhepunkten gehört fürs erste Quartal das zweiteilige Drama „Gladbeck“ über die Geiselnahme im August 1988. Am Film-Mittwoch sind diverse Premieren zu erwarten, etwa die Gesellschaftssatire „Ich und R“ über den Modemacher Rudolph Moshammer mit Thomas Schmauser und Hannelore Elsner.

Mit Spannung dürfte der Mehrteiler „Ku’damm 59“ erwartet werden. Er fußt auf dem 2016 gezeigten Dreiteiler „Ku’damm 56“, der in einer Berliner Tanzschule der 50er-Jahre spielte – mit Claudia Michelsen als Chefin mit eiserner Hand und ihren Töchtern.

Sportliche Großereignisse

Uneingeschränktes sportliches Event im Ersten und ZDF ist die Fußball-WM in Russland. Bei der muss Deutschland zwischen dem 14. Juni bis 15. Juli seinen Titel verteidigen. Zuvor: Im Februar stehen ebenfalls zusammen mit dem ZDF die Olympischen Winterspiele in Südkorea an. Ansonsten gibt es das Übliche, etwas Wintersport, etwas Häppchen-Leichtathletik, Fußball der Kleinen und Attraktives bei den Privaten.

Kaum innovative Shows

Im Showbereich der Öffentlich-Rechtlichen sind neue Ausgaben von „Der Quiz-Champion“ und „Das Spiel beginnt!“ geplant, auch weitere Abende von Horst Lichters „Bares für Rares“. Ob und wie es mit dem glücklosen Moderator Steven Gätjen weitergeht, lässt das ZDF derzeit offen.

RTL plant Premieren, die nicht wirklich Neues bieten, wie „Bachelor in Paradise“, das Trampolinspektakel „Big Bounce“ oder das Format „Kopfgeld“, in dem ein Team nur dann belohnt wird, wenn es auf die Schwächsten in der Gruppe Rücksicht nimmt. Ob Günther Jauch auch nach dem Sommer 2018 mit seinem Klassiker „Wer wird Millionär?“ weitermacht, dürfte in einigen Wochen feststehen. Und der Tanzwettbewerb „Let’s Dance“ läuft statt mit Sylvie Meis mit Victoria Swarovski als Çomoderatorin.

Beim Münchner Privatsender Pro 7, der in den vergangenen Jahren viele Nackenschläge einstecken musste, hofft man mal wieder auf Stefan Raab. Der Tausendsassa, der vor rund zwei Jahren aus dem aktiven Geschäft vor der Kamera ausschied, hat sich für seinen alten Sender die Erfindershow „Das Ding des Jahres“ ausgedacht – Model Lena Gercke, Moderator Joko Winterscheidt sowie Rewe-Einkaufschef Hans-Jürgen Moog bilden die Jury. Der Sendetermin ist noch offen.

Auf dem Showsendeplatz am Donnerstag startet am 4. Januar „Get the F*ck out of my House“. 100 Kandidaten ziehen in ein Einfamilienhaus. Ihr Ziel: nach vier Wochen als Letzter das Haus zu verlassen und 100 000 Euro zu gewinnen. Im Frühjahr 2018 startet auch die 13. Staffel des Laufstegwettbewerbs „Germanys next Topmodel – by Heidi Klum“. Nicht zu unterschätzen: Voraussichtlich im Frühjahr legt Entertainer Klaas Heufer-Umlauf mit einer wöchentlichen Show los.

RTL II legt wieder die Castingshow „Curvy Supermodel“ und auch die Kuppelreihe „Love Island“ auf. Bei Vox darf ebenfalls gekuppelt werden, daher kommt im Frühjahr die Reihe „First Dates – Ein Tisch für 2“ ins Programm. In der Sendung „One Night with my Ex“ treffen ehemalige Partner zusammen und dürfen sich nach Herzenslust aussprechen und die Nacht verbringen. Vox sucht noch Kandidaten!

Fazit des Ausblicks

Das Fernsehjahr 2018 wird gewohnt blutig bis spannend, teils lehrreich und noch abwechslungsreicher. Stärker versuchen die Sender, mit ambitionierten und aufwendigen Qualitätsproduktionen zu punkten. Gleichzeitig gibt es immer skurrile Shows. Wer meint, der Tiefpunkt an solchen Angeboten ist erreicht – der wird sicher eines Besseren belehrt. (mit dpa)

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