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Dienstag, 06.03.2018

Neues aus dem Dresdner Intrigantenstadl

Die umstrittene Rektorin der Musikhochschule wirft hin. Sie kommt ihrer Abwahl zuvor. Die hausgemachte Krise macht die Musikuniversität wenig attraktiv.

Von Bernd Klempnow

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Judith Schinker gibt ihr Amt als Rektorin zwei Jahre vor Vertragsende auf.
Judith Schinker gibt ihr Amt als Rektorin zwei Jahre vor Vertragsende auf.

© Hochschule für Musik

Dresden. Kein starker Abgang. Am Dienstagvormittag, 9.45 Uhr, verschickte die Rektorin der Dresdner Musikhochschule „Carl Maria von Weber“, Judith Schinker, eine Erklärung: „Ich habe heute meinen Rücktritt vom Amt der Rektorin erklärt und zugleich mit sofortiger Wirkung die Amtsgeschäfte niederlegt.“ Recherchen der Sächsischen Zeitung ergaben: Offenbar kam sie mit diesem Schritt ihrer Abwahl durch den Erweiterten Senat zuvor, der am Vormittag dazu getagt hätte.

Damit endet eine seit ihrer überraschenden Wahl vor knapp drei Jahren umstrittene Personalie. Die Prorektorin für Lehre und Studium Musiktheorie, Rebekka Frömling, wird das Haus führen, bis nach einem nationalen oder gar internationalen Ausschreibungsverfahren ein neuer Leiter gefunden worden ist. Experten gehen davon aus, dass dies im optimistischen Falle mindestens ein halbes Jahr dauern könnte.

Es wird eher ein Jahr oder länger brauchen, denn das Rektoren-Amt an Dresdens traditionsreicher Musikuniversität ist derzeit alles andere als attraktiv. Zu sehr offenbarte die Art der Wahl der musikaffinen Juristin und Kulturmanagerin, deren Begleitumstände sowie folgende Pleiten, dass das Haus in einer tiefen Krise steckt.

Ein Rückblick: Im Mai 2015 wurde der sehr erfolgreiche Rektor Ekkehard Klemm vom Erweiterten Senat nicht für eine zweite Amtszeit bestätigt. Stattdessen erkor man sein Ziehkind, die Prorektorin für Lehre und Studium und Stellvertreterin. Judith Schinker, Jahrgang 1969, war die erste Frau an der Spitze in der 150-jährigen Geschichte der Musikakademie mit gegenwärtig 119 Beschäftigten und 600 Studenten.

Große Teile der nichtstimmberechtigten Belegschaft reagierten damals geschockt. „Der Umgang mit Klemm spiegelt in keiner Weise seine Verdienste für die Hochschule wider“, so Anhänger. Die Königsmörder argumentierten, dass Klemm – er ist u. a. Leiter der Singakademie und des Studentenorchesters – zu oft Konzerte geben, die Hochschule zu wenig repräsentieren würde. Die Querelen gingen weiter: Kurz nach der Wahl erklärte der hochkarätig besetzte Hochschulrat seinen Rücktritt, weil sein eindeutiger Wahlvorschlag nach „gewichtiger Prüfung aller Bewerber für Klemm“ abgelehnt worden war.

Die Hochschule schien daraufhin zu implodieren. Ein Graben tat sich auf. Der Lehrkörper war zerstritten wie lange nicht. Insider sprachen vom Intrigantenstadl, von bewusst getäuschten Studenten im Erweiterten Senat. Doch die Mannschaft trat an, arbeitete geräuscharm. Dann wurde im März 2017 bekannt, dass sich die Rektorin als Kulturdezernentin in Trier bewarb. Sie fiel durch. „Es war nicht geplant zu flüchten“, sagte Schinker hinterher.

Ungeachtet dessen brachte ihre Mannschaft einiges für die Zukunft der Hochschule und deren strukturelle Erneuerung auf den Weg. Die scheidende Chefin nannte unter anderem die Sicherung der künstlerischen Exzellenz durch Öffnung und Verjüngung des Lehrkörpers sowie die Einrichtung berufspraktischer Studienangebote, wie des Masterstudiengangs Orchesterpraxis mit der Philharmonie. „Diesen Prozess der Erneuerung unter Wahrung der tradierten Stärken der Hochschule konstruktiv zu gestalten bedarf der vertrauensvollen Zusammenarbeit aller. Leider ist es mir nicht gelungen, eine Mehrheit des Kollegiums auf diesem Weg mitzunehmen.“

Wie es mit ihr weitergeht? „Ich will die kommende Zeit nutzen, um über eben diese Frage nachzudenken.“

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Intrigantenstadl

    Gratulation an die Denunziantenriege ! Seit drei Jahren sägt Herr Klempnow gemeinsam mit Herrn Kretzschmar an Frau Schinkers Stuhl. Es handelt sich übrigens um das gleiche Gespann, das derzeit damit befasst ist, mit allen Mitteln am Stuhl der künftigen Intendantin der Staatsoperette Frau Kondaurow zu sägen. Handelt es sich bei der Altherrentruppe um den neuen kulturpolitischen Arm von Pegida und AfD?

  2. Oberlehrer

    "war die erste Frau an der Spitze in der 150-jährigen Geschichte der Musikakademie mit gegenwärtig 119 Beschäftigten und 600 Studenten. " stimmt nicht; das war in den 90ern Frau Prof. Raithel.

  3. Karl H.

    Man möge sich erinnern: Als Ekkehard Klemm zur Wiederwahl antrat, erhielt er trotz vermeintlichem "Amtsbonus" gerade einmal 25% der Wählerstimmen. Das kam nicht aus heiterem Himmel, denn für ihn war das Rektorenamt vor allem mit der Hoffnung verbunden endlich mal ans Pult der Staatskapelle gerufen zu werden. Doch weil ein Titel am Revers noch keinen guten Dirigenten macht, blieb dem "sehr erfolgreichen Rektor" dieser Wunsch versagt. Alles andere aber hat ihn wenig interessiert. Auch so kann man eine Hochschule und ihr Image ruinieren.

  4. T. S.

    Die beiden, unqualifizierten Kommentare Nr. 1 und 3 sind ja Trolling in Reinstform. (https://de.wikipedia.org/wiki/Troll_(Netzkultur)) Solche unbegründeten, nicht nachvollziehbaren, diffamierenden und jeder realen Basis entbehrenden Beiträge und Mutmaßungen kann keiner gebrauchen.

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