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Montag, 14.05.2018

Neue lustige Einfälle – dank Dresdner Virtuosen

Über 100 Jahre galt Brahms Doppelkonzert für Violine und Cello als einziges von einem Meisterkomponisten. Dann gab Jan Vogler welche in Auftrag.

Von Bernd Klempnow

Die Voglers musizieren – Cellist Jan und Geigerin Mira (l.) – hier mit Unterstützung.
Die Voglers musizieren – Cellist Jan und Geigerin Mira (l.) – hier mit Unterstützung.

© Rene Gaens

Doppelkonzerte für Violine und Cello sind rar. Antonio Vivaldi schrieb für diese Besetzung und dann erst wieder Johannes Brahms. 1887 komponierte der Spätromantiker dieses, sein letztes Orchesterstück. Es sei ein „lustiger Einfall“ gewesen. Die Urteile nach der Uraufführung reichten von „famos“ über „geistvoll, aber nirgends ein so frischer warmer Zug als in vielen andern seiner Sachen“ bis zu „trostlos, die reine Greisenproduktion“. Längst ist es mit seiner Melodienschönheit ein Hit – es galt lange als einziges gehaltvolles Werk, das ein bedeutender Komponist für diese Besetzung geschrieben hatte.

Über 100 Jahre war das so. Dann traten die Dresdner Musiker Mira Wang und Jan Vogler auf den Plan. „Als Mira und ich 1996 zum ersten Mal dieses Doppelkonzert spielten, bewunderten wir seine Einzigartigkeit und bedauerten, dass nicht mehr große Komponisten Zugang zu dieser interessanten Gattung gefunden hatten“, sagt der Cellist. Also regte das Ehepaar Aufträge an. Mit dem Amerikaner John Harbison und dem Deutschen Wolfgang Rihm wurden namhafte Komponisten gewonnen. 2010 kam das dreisätzige „Double concerto“ von Harbison in Boston durch die Initiatoren zur Uraufführung. 2015 erklang Rihms einsätziges „Duo concerto“ in New York erstmals – kurz darauf war es in der Frauenkirche zu erleben. Nun haben Wang und Vogler die drei Werke mit dem Royal Scottish National Orchestra eingespielt. Am Wochenende ist die CD erschienen.

Der Brahms ist groß in der Ausleuchtung der motivisch-thematischen Güte. Der Harbison beeindruckt mit seiner für einen Zeitgenossen ungewöhnlichen poetischen Sprache. Und der Rihm, der „Brahms der Gegenwart“, ist eine reizvoll-spröde Zwiesprache mit dem Orchester. Die Uraufführung in der New Yorker Carnegie Hall war in der „New York Times“ als „eher schlammige als transparente Performance“ verrissen worden. Schon die Dresdner Erstaufführung bewies anderes. Und so interpretieren Wang und Vogler auch jetzt ein hintergründiges Geflecht mit vielschichtig-interessanten Aktionen.

Die Dresdner Virtuosen sind stolz, Pate bei dieser Erweiterung des Repertoires der „lustigen Einfälle“ gewesen zu sein. Vogler, der als Solist bei den von ihm geleiteten Dresdner Musikfestspielen Cello-Werke präsentiert, bringt diesmal das Brahms-Konzert am 10. Juni im Kulturpalast mit dem Festspielorchester zum Klingen. 2019 hat er eine „Carte Blanche“ bei den Palastkonzerten – die ideale Gelegenheit, andere „seiner“ Neuheiten zu hören.

CD-Tipp: M. Wang/J. Vogler, Royal Scottish National Orchestra mit Peter Oundjian: „Doubles Concertos“ (Sony)

Konzerttipp: Royal Scottish National Orchestra spielt unter Peter Oundjian am 20. Mai ab 20 Uhr im Kulturpalast Werke von Bernstein, Britten und Brahms.

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