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Montag, 11.06.2018

Nah am Wasserfall gebaut

Ein Kommissar reist in seine Vergangenheit und entdeckt Abgründe in einem stark erzählten Alpen-Krimi vor spektakulärer Naturkulisse.

Von Johannes von der Gathen

Kommissar Merana (Manuel Rubey) und Postenkommandantin Heilmayr (Stefanie Reinsperger).
Kommissar Merana (Manuel Rubey) und Postenkommandantin Heilmayr (Stefanie Reinsperger).

© dpa

Ohrenbetäubend stürzt der Krimmler Wasserfall, der höchste in Österreich, ins Tal. Ein unheimlicher, verwunschener Ort inmitten einer rauen Felslandschaft. Hier wird am frühen Morgen die Leiche der 15-jährigen Laura gefunden, in den Händen hält das Mädchen einen mysteriösen Stein. Am Vorabend stand die Teenagerin nicht ganz freiwillig für die dubiose Castingshow „Austria’s Best Marketenderin“ auf der Bühne – bekleidet mit einen Bikini.

Die Ermittlungen in dem Fall leitet der Salzburger Kommissar Martin Merana, der in Krimml aufgewachsen ist. Der vom ORF koproduzierte Krimi „Drachenjungfrau“, der bereits 2016 in Österreich ausgestrahlt wurde, läuft am Montag im ZDF.

Basierend auf einem Kriminalroman des Salzburger Autors Manfred Baumann hat die österreichisch-argentinische Regisseurin Catalina Molina einen atmosphärisch stimmigen, abgründigen Fernsehfilm in Szene gesetzt, der weit über dem gängigen Krimi-Mainstream rangiert. Manchmal wirkt dieses rätselhafte Alpen-Drama wie ein Albtraum. Zumindest für den dünnhäutigen Kommissar Merana, der mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert wird und durchaus auch selbst austeilen kann.

Für den Ermittler ist die Geschichte deshalb so heikel, weil an jeder Ecke des wolkenverhangenen Kaffs nicht sehr schöne Kindheitserinnerungen lauern. Zum Glück hat er die zupackende Postenkommandantin – das heißt in Österreich wirklich so – Franziska Heilmayr an seiner Seite. Die massiert ihm nach einer Hexenschuss-Attacke den Rücken und macht den hüftsteifen Bullen dann mit den infrage kommenden Verdächtigen bekannt. Beim schmierigen Politiker Gottfried Erlinger („Tatort“-Kommissar Harald Krassnitzer), der auch die entwürdigende Castingshow organisiert hatte, beißen die Ermittler allerdings auf Granit.

Brenzlig wird für Merana das Wiedersehen mit Alma, der Mutter des Opfers, mit der er früher liiert war. Almas jetziger Mann Robert dagegen war zu Kinderzeiten der Erzfeind des Kommissars, was die Aufklärung des Falls nicht erleichert. Wie gut, dass Merana bei seiner hellsichtigen Oma Kristina untergekommen ist. Die kluge Dame kann ihm einiges über die sagenumwobene Drachenjungfrau erzählen.

Es tauchen allerdings etwas zu viele Figuren auf in diesem düsteren Landkrimi. Zuweilen wird es unübersichtlich. Für die heiteren Momente sind die örtlichen Polizeikräfte zuständig. Da ist zum einen der depperte Polizist Ankerl, der immer wieder ordentlich Schmäh einstecken muss. Wie ein Fels in der Brandung wirkt die lebensfrohe Postenkommandantin, dargestellt von Theaterschauspielerin Stefanie Reinsperger. Die Frau behält den Überblick und lässt sich vom infernalischen Rauschen des Wasserfalls nicht kirre machen. (dpa)

„Drachenjungfrau“,20.15 Uhr, ZDF