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Dienstag, 25.10.2016

Musik für eine halbe Million Sachsen

Starke Wahl: Die Philharmoniker des Elblandes haben Ekkehard Klemm zum Chefdirigenten erkoren. Der gibt sich gerührt.

Von Bernd Klempnow

Ekkehard Klemm hat als neuer Generalmusikdirektor des Elblandes interessante Ideen für E- wie U-Konzerte, etwa mit Tom Pauls.
Ekkehard Klemm hat als neuer Generalmusikdirektor des Elblandes interessante Ideen für E- wie U-Konzerte, etwa mit Tom Pauls.

© EPS

Das ist doch eine überraschende Personalie. Ekkehard Klemm wird aller Voraussicht nach ab der Spielzeit 2017/18 neuer Chefdirigent der Elbland Philharmonie Sachsen. Damit übernimmt ein auch kulturpolitisch ungemein aktiver Spitzenmann dieses Amt, der dem oft und arg gebeutelten Klangkörper neue Perspektiven eröffnen dürfte. Endgültig berufen wird er wohl als Nachfolger von Christian Voß von der nächsten Gesellschafterversammlung der Philharmonie-GmbH zum Jahresende.

144 Mitbewerber übertroffen

Für die Position des Chefdirigenten hatte es 145 Bewerbungen aus dem In- und Ausland gegeben, 16 Bewerber waren zu Vordirigat oder Konzerten eingeladen worden. Das Orchester traf nun seine Wahl. Geschäftsführerin Carola Gotthardt folgte diesem Votum: „In beiden Gastkonzerten hat er das Orchester und mich vollends überzeugt. Die Musiker und er sprechen eine Sprache – er ist am besten geeignet, das Ensemble in seiner jetzigen Situation zu stärken und den Klang weiter zu entwickeln.“

Ekkehard Klemm, der Rektor der Musikhochschule war und dort weiterhin Professor für Dirigieren ist, der künstlerischer Leiter der Singakademie Dresden, Präsident des Verbandes Deutscher Konzert-Chöre sowie Mitglied des Kultursenats und der Akademie der Künste von Sachsen ist, teilt die Freude über seine Wahl: „Der Ruf zum Chefdirigenten der Elbland-Philharmoniker hat mich mit großer Freude erfüllt, tief bewegt und sie ist mir eine große Ehre! Bereits 1981 konnte ich in Riesa Konzerte dirigieren. Es war deshalb selbstverständlich, nach meiner Berufung 2003 an die Dresdner Hochschule ähnliche Möglichkeiten für unsere Studierenden zu schaffen. Seither fanden zahlreiche wundervolle Projekte statt, die stets von viel Offenheit und Engagement gekennzeichnet waren. Dies gilt ebenso für die gemeinsamen Konzerte mit der Singakademie. So empfinde ich den Ruf als Auszeichnung!“

Das ist – für einen Moment – schon erstaunlich. Klemm, der mit Orchestern auf dem Niveau der Sächsischen Staatskapelle und der Dresdner Philharmonie gearbeitet hat, übernimmt ein ländliches, per Haustarifvertrag mäßig bezahltes Orchester. Eines, das viele Konzerte auf Volksfesten spielt. Eines, das aus zwei Ensembles zwangsfusioniert wurde und bis heute daran arbeitet, homogen zu klingen. „Ich war in Altenburg, Greifswald und in München am Gärtnerplatz – habe jede Menge Operette und Musical jederzeit mit Vergnügen dirigiert“, so Klemm: „Ich liebe alles, was schwierig ist. Und Witz mit Qualität ist ja gerade an dieser Stelle wichtig!“

Innovativer Grundversorger

Wegen all solcher Unwägbar- und Schwierigkeiten begeistert sich der 57-Jährige für den Job und wird den Kulturraum auf seine Art aufmischen: „Der Ruf ist verbunden mit großer Verantwortung. Kultur im ländlichen Raum ist Basisarbeit und kulturelle Teilhabe ist die Grundlage für ein leistungsfähiges Land.“ Er spricht von einer „musikalischen Grundversorgung“, denn das Orchester macht „einer halben Million Menschen Musikangebote. Es gastiert zudem überregional, ist Partner regionaler Chöre oder Kantoreien und hinsichtlich der Ausbildung des künstlerischen Nachwuchses ein nicht zu ersetzendes Praxis-Institut für die Musikhochschulen. Kein Wunder, wenn Klemm das neue Amt mit dem ihm eigenen Optimismus angeht: „Die Position ist eine wunderbare Chance zu zeigen, wie wertvoll Kunst und Musik im ländlichen Raum sind und wie innovativ dabei gearbeitet werden kann.“