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Dienstag, 06.11.2018

Musik, die nach Leben klingt

Von Nashville nach Dresden: Bassist Victor Wooten. Foto: PR
Von Nashville nach Dresden: Bassist Victor Wooten. Foto: PR

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Herr Wooten, Sie treten bei den Dresdner Jazztagen gemeinsam mit Dennis Chambers am Schlagzeug und dem Saxofonisten Bob Franceschini auf. Was ist das Besondere daran?

Sie sind zwei der besten Musiker der Welt und wie musikalische Brüder für mich. Sie gehören zur Familie. Ihr musikalisches Niveau ist sehr hoch.

Wie hängen für Sie Musik und das Leben zusammen?

In Musik geht es darum, Geschichten zu erzählen. Wenn du kein Leben hast, hast du auch keine Geschichten, die du erzählen kannst. Je mehr interessante Geschichten du erzählen kannst, desto einfacher ist es, Musik zu machen. Viele Leute üben stundenlang in einem Raum, und wenn sie herauskommen, klingt es, als wäre das Thema ihrer Musik einfach nur Musik. Menschen, die rausgehen und ein interessantes Leben haben, machen Musik, die nach Leben klingt. Und das ist immer spannender. Es ist genau wie beim Reden. Wenn du reden willst, brauchst du etwas, über das du reden kannst. Und wenn du nur in deinem Raum bleibst und übst, hast du weniger, über das du reden kannst.

Was denken Sie über Menschen wie Trump und europäische Äquivalente, und wie beeinflusst das Ihre Musik?

Alles im Leben ist in gewisser Weise mit Musik verbunden. Aber in der Politik ist es so: Wer auch immer gewählt wird, es wird immer jemand nicht glücklich darüber sein. Nehmen wir Bach: Keinen interessiert heute, wer zur damaligen Zeit König war. Die Menschen interessieren sich für die Musik an sich, und so wird es auch weiterhin sein. Meine Aufgabe ist es, Musik zu machen, an die sich Menschen erinnern werden, genau da setze ich an. Ich fokussiere mich nicht großartig auf die Politik.

Sie kommen aus Nashville in den USA. Für welche Musik steht diese Stadt?

In Nashville ist Musik Teil der Kultur. Du kannst die Musik spüren, wenn du dort bist. Vor 50 Jahren drehte sich fast alles um Countrymusik. Das ist auch völlig in Ordnung, ich liebe Country, aber heute steht Nashville für alle Arten von Musik und eine große Vielfalt von Menschen. Ich denke, dass es für Menschen immer gut ist zu reisen und andere Teile der Welt zu sehen.

Sie haben mit vielen großen Stars gespielt. Was waren die Highlights?

Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich viele verschiedene wundervolle Erfahrungen machen durfte. Mit Prince Zeit verbringen zu können ist definitiv eine davon. Er war einer der Menschen, die bei jedem Treffen anders sind. Es gab den Prince, mit dem man Spaß hatte. Und es gab den Prince, bei dem das Gegenteil der Fall war. Ich hatte das Glück beide zu erleben. In Sachen Musik war er unglaublich talentiert. Dennoch ist jeder, mit dem ich gespielt habe, eine besondere Erfahrung.

Was tun Sie, wenn Sie nicht live spielen?

Ich habe gerade ein neues Buch geschrieben, es heißt „The Spirit of Music“ und wird nächstes Jahr erscheinen. Außerdem gibt es meine Music Camps in Tennessee. Ich würde mich riesig freuen, neue Menschen dort zu treffen.

Das Gespräch führte Johannes Gerstengarbe.

Victor Wooten spielt am 6.11. im Rahmen der Dresdner Jazztage im Erlwein Capitol.

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