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Mittwoch, 13.06.2018

Mehr Geld vom Freistaat für die Künstler

Die zehn ländlichen Theater und Orchester sollen nicht mehr von Haustarifverträgen geknechtet werden. Doch die Umsetzung wird nicht so einfach sein.

Von Bernd Klempnow

© dpa

Zunächst die gute Meldung: Alle zehn ländlichen Theater und Orchester sollen ab 2019 mehr Geld erhalten. Und zwar nicht nur von ihren Trägern, den Städten, Kreisen und Kulturräumen, sondern zweckgebunden vom Freistaat. Damit könnten viele von ihnen die überall geltenden Haustarifverträge quasi umgehen. Die Schauspieler, Sänger, Tänzer und Musiker würden fast wie nach Flächentarif bezahlt. Voraussetzung ist, dass der Landtag dem am Dienstag im Kabinett beschlossenen Paket zustimmt. Auch ist die Zustimmung der Träger zu diesem Kulturpakt nötig.

„Die Künstler und Angestellten an den Theatern und Orchestern leisten eine hervorragende Arbeit und erhalten die kulturelle Vielfalt jenseits der Großstädte“, so Kunstministerin Eva-Maria Stange: „Dafür müssen sie gerecht bezahlt werden.“

Seit Langem versucht Stange, das Problem der Haustarifverträge, durch die die Künstler weniger verdienen, aber auch weniger arbeiten, zu lösen. Teilweise verzichten sie auf bis zu 15 Prozent, und das seit gut zwei Jahrzehnten, wie am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz/Zittau. Gerade hat die Elbland Philharmonie Sachsen ihren Haustarifvertrag bis 2022 verlängert. Die Musiker verzichten auf zehn Prozent des aktuellen Tarifs. Im Falle der Mehrspartenbühne in der Oberlausitz fehlen ungefähr 1,5 Millionen Euro zum Flächentarif, im Falle des Mittelsächsischen Theaters Freiberg/Döbeln sind es 680 000 Euro, im Falle des Elbland-Orchesters 500 000 Euro.

Gut sieben Millionen Euro sogenannte Struktur- und Investitionsmittel stellt der Freistaat für vorerst je vier Jahre zur Verfügung. Außerdem sollen mit dem neuen Doppelhaushalt die Kulturraum-Gelder um weitere drei Millionen Euro angehoben werden, „um die bildende Kunst, die Bibliotheken, die Soziokultur, Film und andere Branchen besser ausstatten zu können“.

Die Lösung ist gut und überfällig. Die Durchführung aber heikel. Sie setzt bei allen Beteiligten einen guten Willen voraus. Denn erstens sollen die Träger diese Landesmittel zu 30 Prozent gegenfinanzieren. Können sie es nicht oder rufen die Landesmittel nicht ab, kommt nichts bei den Theatern und Orchestern an. Zweitens wollten die kommunalen Spitzenverbände, dass die Künstler, wenn sie besser bezahlt werden, auch mehr Kulturangebote außerhalb ihrer Häuser – also etwa in Schulen – anbieten. Was aber, wenn die Arbeitnehmerseite sich querstellt? Noch gelten ja die Haustarifverträge mit Gehaltsverzicht und Freizeitausgleich, egal, ob es jetzt Geld quasi am Haustarifvertrag vorbei gibt. Den Künstlern ist es vielleicht egal, wenn sie ihr Gehalt von zwei Seiten erhalten: Hauptsache endlich mehr! Aber werden sich der Bühnenverein und die anderen Gewerkschaften auf den Deal einlassen?

Grundlage für mehr Geld vom Freistaat sind von den Kulturräumen noch zu erarbeitende Strukturentwicklungskonzepte, die aufschreiben, welche zusätzlichen Angebote die Kultureinrichtungen zu erbringen haben. Wie die Theater dann das Geld aufteilen, ob nur das künstlerische Personal profitiert oder alle Mitarbeiter, ist den Theatern selbst überlassen.

Die angestrebte Theater- und Orchester-Speziallösung hat noch einen weiteren Pferdefuß. Wohl würden die großen Kulturtanker der Regionen endlich eine Art Tarifgerechtigkeit erhalten. Wie aber steht es um die anderen ländlichen Kultureinrichtungen wie Museen, Bibliotheken oder Musikschulen, deren Mitarbeiter meist auch von Haustarifverträgen geknechtet werden? Bereits jetzt haben speziell die Musikschulen riesige Personalprobleme, weil viele Musiklehrer ins neuerdings besser und verlässlich bezahlte Lehramt wechseln.

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