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Freitag, 11.05.2018

Kompetenz kommt von Fleiß

Schulen sollten weder ideologische Experimentierfelder noch gesellschaftliche Reparaturbetriebe sein.

Von Werner J. Patzelt

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Prof. Werner J. Patzelt.
Prof. Werner J. Patzelt.

© Ronald Bonß

Jeder erinnert sich an gute oder schlechte Lehrer. Auch fühlt jeder, wie sehr die Freude am Fach vom Lehrer abhängt. Für geistiges oder menschliches Weiterkommen gilt das erst recht. Doch oft wird erst im Nachhinein bewusst, was man an einem Lehrer wirklich hatte – zumal an einem von zwar wohlmeinender, doch strenger Art. Tut unsere Gesellschaft aber genug dafür, dass auch die nachwachsende Generation gute Lehrer findet?

Das ist nicht nur eine Frage der Bezahlung oder Verbeamtung. Auch nicht nur eine der Lehrerausbildung, obwohl die Behebung ihres Kernfehlers wünschenswert wäre: Dass nämlich oft so getan wird, als käme es bei Lehramtsstudierenden nicht wirklich auf breites inhaltliches Wissen an, denn sie gingen ja „nur an die Schule“. Es scheint um die gesellschaftliche Achtung des Lehrerberufs nicht gut genug bestellt zu sein. Das beginnt mit elterlichen Anmaßungen hinsichtlich erteilter Noten oder der Mittel schulischer Disziplindurchsetzung – und endet übel im Klassenzimmer, wenn aufgrund von mangelndem Respekt mehr Kraft auf die Herstellung von Aufmerksamkeit aufzuwenden ist als auf das Lehren selbst. Wenn obendrein – nach jahrelangem Einstellungsstopp – auch solche pädagogischen Seiteneinsteiger umworben werden, die es nie wirklich in den Lehrerberuf zog, dann scheint da nicht nur selbst verschuldete Not am Werk zu sein. Vielmehr zeigt sich da in ungehörigem Ausmaß eine Missachtung dessen, was taugliche Lehrer ausmacht: Kompetenz, die durch Standfestigkeit und Fleiß erworben wurde und die genau deshalb mit Autorität jenen jungen Leuten weitergegeben werden kann, die ihrerseits Standfestigkeit und Fleiß erst noch einzuüben haben.

Vermutlich waren Filme wie „Zur Hölle mit den Paukern“ oder „Hurra, die Schule brennt“ allzu erfolgreich beim Verfrachten von Satire in die Wirklichkeit. Auch weist die so schön inszenierte „Fack ju göhte“-Pädagogik keine wirklich funktionierenden Auswege. Die müssen wir wohl anderswo suchen. Vielleicht bei mehr Wertschätzung von Erziehung überhaupt, bei der Kultivierung von Bildungslust, beim Ernsternehmen der Lehrerausbildung – und bei der Bereitschaft, anders als früher unsere Schulen nicht mehr wie ideologische Experimentierfelder oder als gesellschaftliche Reparaturbetriebe zu gebrauchen.

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Berg

    Zunächst: hier hätte sie genannt werden müssen, ohne gleich genderisierend zu wirken: die LehrerIN. Denn die Frauen haben es von Natur aus schwerer vor den Klassen bzgl. Disziplin, Aufmerksamkeit und Respekt der Kinder und Jugendlichen. - Und zum Thema: "Schule und Elternhaus Hand in Hand" hieß es mal. Es war nicht alles schlecht.... Die Schulen lehren ein Grundwissen und einige Spezialwissen. Und jedes Kind, jeder Jugendlicher erlernt das, was für ihn selbst wichtig ist - für Beruf und Allgemeinbildung.

  2. P.lehmann

    Zitat: Schulen sollten weder ideologische Experimentierfelder noch gesellschaftliche Reparaturbetriebe sein.. Und genau das sind sie heut zu Tage. Besonders die neuere junge Generation an Lehrern bringt ihr Links Grünen Ideologien von der Uni mit in die Schulen. Besonders schlimm ist das in den Städten!!

  3. Leser

    Schulen haben neutral zu sein! Auch der Ethikunterricht! Aber die Politik will es anders. Angst vor Wahlen? Erst Richtung weisen und dann 16-jährige wählen lassen. das wird nicht helfen. Das Leben lehrt ebenfalls.

  4. Felix

    @Berg: Zunächst: Mit "Lehrer" sind alle gemeint - da braucht es nicht noch einen Hinweis bzgl. des weiblichen Anteils. Und ist es wirklich so, dass Frauen es von Natur aus schwerer haben bzgl. Ihrer Auflistung? Ich bezweifle das sehr - da habe ich andere Erfahrungen gemacht. - Und zum Thema: In Ihrem Beitrag finde ich nichts dazu. Und ich habe dem auch nur hinzuzufügen, dass ich Herrn Patzelt diesbezgl. zustimme.

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