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Montag, 08.10.2018

Königinnen sind auch nur Menschen

Von Jens Daniel Schubert

Große Oper im historischen Gewand, mitreißende Musik, schöne Stimmen, sehenswerte Kostüme, zwei Frauen, die den gleichen Mann lieben, moralisch-hymnischer Triumph der Unterlegenen: „Maria Stuart“, Donizetti-Belcanto nach Schiller. In Freibergs Nikolaikirche war am Sonnabend Premiere. Opernfreunde jubelten.

Juheon Han leitet die Mittelsächsische Philharmonie, entwickelt Dramatik, setzt Höhepunkte und nimmt sie in der Begleitung der Sänger zurück. Han sucht den Blickkontakt, atmet mit den Sängern, folgt ihren Phrasierungen. Orchester und Sänger klingen in vorzüglicher Einheit. Der erweiterte Opernchor und das gesamte Ensemble sind homogen im Klang, egal, ob sie im Piano begleiten, oder mit voller Kraft Akzente setzen.

Akustische Ausrufezeichen gibt es selbst in den Nebenrollen der Berater der Protagonisten, Maria Stuart hier, Elisabeth da. Glanzvoll ist der junge Tenor Jaeil Kim als Leicester. Mit Charme, Eleganz, sicherer Höhe und Schmelz ist er der begehrenswerte Mann, bei dem selbst macht- und liebeserfahrene Königinnen ihre Contenance verlieren. Margareta Klobucar als Maria hat sich eine harte Schale, maskenhaft im Gesicht, glasklar in den Koloraturen und höchsten Ausbrüchen, als Schutz um ihre gekränkte Seele gelegt. Wie liebenswert sie ist, erfährt der Zuhörer aus der Zuwendung ihrer Gefolgsleute und durch Leicesters Liebe. Elisabeth zeigt weit mehr innere Zerrissenheit. Ihre persönlichen Gefühle und politische Verantwortung ringen miteinander. Barbora Fritscher pendelt glaubhaft zwischen der würdevollen, disziplinierten Königin und der leidenschaftlich liebenden Frau. Mit reichem stimmlichem Potenzial gestaltet sie die plötzlichen Wechsel zwischen innerer Unsicherheit und ausgestellter Souveränität überzeugend.

Roy Spahn hat mit einfachen Bretterpodesten und einem halbdurchsichtigen Schleiervorhang vor dem Altar den Kirchenraum sinnvoll strukturiert. Diese Schlichtheit kontrastiert er durch prachtvolle, historisch nachempfundene Kostüme. Jürgen Pöckel hat die Geschichte geradlinig arrangiert. Seine Regie ist dann am überzeugendsten, wenn man sie nicht spürt. Das gelingt nicht immer. Mancher szenischen Idee, Auftritt, Abgang oder Arrangement hätte ein kritisches Hinterfragen anhand der Partitur gutgetan. Insgesamt tappen die Spieler, je kleiner die Rollen, umso mehr, in die Falle, die emotional überbordende Musik durch ihr Spiel noch überbieten zu wollen. Da fehlt eine disziplinierende Hand, eine klare Spielweise. Doch die beeindruckende musikalische Leistung des Ensembles lässt das in den Hintergrund treten: Großer Applaus.

Wieder in Freiberg am 9. und 13. 10., 13. und 15. 11.,

23., 25. und 27. 12. sowie am 3. 11. in Döbeln;

Kartentel. 03731 358235

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