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Freitag, 09.11.2018

Knalliger geht’s nicht

Von Claudia Drescher

Was für eine Leuchtkraft – Besucher in der Chemnitzer Retrospektive von Rupprecht Geiger. Foto: dpa
Was für eine Leuchtkraft – Besucher in der Chemnitzer Retrospektive von Rupprecht Geiger. Foto: dpa

© dpa

Beim Blick auf die knapp sieben Meter lange pinke Leinwand im Oberlichtsaal des Museums Gunzenhauser ist der trübe Novembertag vor der Tür vergessen. Der Titel „pinc kommt!“ des Werkes von 1974 ist zugleich die Überschrift für eine neue Sonderausstellung. Das Chemnitzer Kunstmuseum zeigt leuchtende Gemälde und Papierarbeiten Geigers, der in diesem Jahr seinen 110. Geburtstag gefeiert hätte.

Zu sehen sind insgesamt 103 Werke aus 64 Schaffensjahren, darunter drei Werke aus der Sammlung Gunzenhauser. Die abstrakten, vorrangig in knalligen Neonfarben von Rot über Pink bis hin zu Gelb und Orange gehaltenen Arbeiten des Malers verfügen über eine Leuchtkraft, die dem Auge fast schon wehtut. „Die Lebensfreude, die diese Bilder zum Ausdruck bringen, ist absolut ungewöhnlich“, sagte der Generaldirektor der Kunstsammlungen Chemnitz, Frédéric Bußmann.

Zu Beginn seiner Laufbahn habe Geiger, studierter Architekt, noch gegenständlich gearbeitet, erläuterte Franziska Straubinger vom Archiv Geiger, das seit 2010 das künstlerische Werk des Malers betreut. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe er damit jedoch radikal gebrochen und sich seit den 50er-Jahren vor allem der Farbe Rot gewidmet. Sie sei für ihn „Leben, Energie, Potenz, Macht, Liebe, Wärme, Kraft“ gewesen. Bis zu seinem Tod im Jahr 2009 habe sich der Autodidakt mit der Wirkung von Farbe auseinandergesetzt und dabei schließlich Motive und Formen völlig in den Hintergrund gedrängt. Wer die Kunst Geigers ganz aktiv genießen und dabei Farbe tanken will, kann das bei einem Yoga-Kurs zwischen Pink und Rot tun. Zudem finden begleitend zur Ausstellung Vorträge, Führungen und Konzerte statt. Es ist nach 25 Jahren die erste Einzelschau mit den Arbeiten jenes Künstlers im Osten, der entscheidend zur künstlerischen Neuausrichtung im westlichen Nachkriegsdeutschland beitrug. Die Retrospektive entstand in Zusammenarbeit mit dem Schauwerk Sindelfingen, das über die bedeutendste Sammlung des Malers verfügt, und dem Archiv Geiger in München. (dpa)

„pinc kommt!“ bis 3. März, geöffnet Di bis So von

11 bis 18 Uhr, Mi von 14 bis 21 Uhr

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