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Samstag, 12.05.2018

Ich bin das Fleisch, das stets bejaht

Das schwierige Leben des großen James Joyce ist Thema einer sehenswerten Dokumentation. Die Schauspielerin Anjelica Huston erzählt von ihrem Idol.

Von Rainer Kasselt

James Joyce im Jahr 1934: Der irische Schriftsteller wurde spät weltberühmt mit dem Roman „Ulysses“.
James Joyce im Jahr 1934: Der irische Schriftsteller wurde spät weltberühmt mit dem Roman „Ulysses“.

© © Lipnitzki/Roger Viollet/Getty

Die Hollywood-Schauspielerin Anjelica Huston ist eine Kennerin des Werkes von James Joyce. Schon mit zwölf Jahren liest sie den Roman „Ein Porträt des Künstlers als junger Mann“. Ihr Vater, Regisseur John Huston, verfilmte die Kurzgeschichte „Die Toten“ von Joyce und besetzte die Hauptrolle mit ihr. In einem viel beachteten Bühnenauftritt lässt sich Anjelica den berühmten Molly-Monolog aus „Ulysses“ nicht entgehen, mit der oft zitierten Zeile „Ich bin das Fleisch, das stets bejaht“.

Die knapp einstündige Dokumentation über James Joyce ist eine Liebeserklärung der Schauspielerin an ihren großen irischen Landsmann. Sie findet es bezeichnend, dass er seine erzkatholische Heimat verlassen musste, um über diese schreiben zu können. Er lebt im Exil in Triest, London, Paris und Zürich und vermisst Irland. Immer an seiner Seite Ehefrau Nora Barnacle, das einstige Zimmermädchen. Er lernt sie am 16. Juni 1904 in Dublin kennen, als Molly Bloom geht sie in die Weltliteratur ein.

Genau an diesem Tag spielt die Handlung des 1 000-Seiten-Romans „Ulysses“. Erzählt werden achtzehn Stunden dieses gewöhnlichen Tages im Leben des Dubliner Anzeigenmaklers Leopold Bloom.

Der Roman, der das Tor zur literarischen Moderne weit aufstößt, wird zunächst verboten, von Kritikern verrissen. Man wirft Joyce Obszönität, Pornografie und Unlesbarkeit vor. Wenn „Ulysses“ unlesbar sei, entgegnet der Angegriffene, „dann ist auch das Leben nicht lebbar“. Jedes Detail des Romans ist präzise recherchiert, acht Jahre hat er daran geschrieben. „Sollte Dublin eines Tages von der Landkarte verschwinden“, so Joyce, „kann man es anhand meines Buches nachbauen.“

Als der Autor 1941 in Zürich stirbt, bemüht sich seine Frau vergeblich darum, ihn in Dublin zur letzten Ruhe zu betten. Heute ist das alles vergessen. Am Bloomsday, dem 16. Juni, gibt es alljährlich in Dublin Jubelfeiern für Joyce. Er ist eine Marke, eine Touristen-Attraktion geworden. Gelesen wird er weniger. (dpa)

„Anjelica Huston erzählt James Joyce“, So, 22.20 Uhr, Arte