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Dienstag, 31.07.2018

Happy Birthday, Harry Potter!

Millionen Fans gratulieren dem berühmtesten Zauberlehrling der Welt: Vor 20 Jahren erschien sein erstes Abenteuer in Deutschland.

Von Dorit Koch

Auch so ein Trick: Harry Potter verzauberte den jungen englischen Schauspieler Daniel Radcliffe in einen Kino-Star.
Auch so ein Trick: Harry Potter verzauberte den jungen englischen Schauspieler Daniel Radcliffe in einen Kino-Star.

© Allstar/Warner Bros.

Das magischste Datum im Harry-Potter-Universum ist der 31. Juli – für deutschsprachige Muggel schon seit 20 Jahren. Kurz vor dem gemeinsamen Geburtstag des berühmten Zauberers und seiner Erfinderin Joanne K. Rowling am letzten Julitag brachte der Hamburger Carlsen Verlag 1998 „Harry Potter und der Stein der Weisen“ heraus. Ein Jahr nach dem englischen Original kam das Buch in die hiesigen Buchläden, einfach so, ohne Polizeischutz und sprechende Hüte. Zwei Jahrzehnte später sind 34 Millionen deutsche Exemplare verkauft. Der Titelheld ist als Marke 15 Milliarden Dollar wert und ein Goldesel für alle Beteiligten.

Plötzlich wurde überall gehext

„Harry Potter ist für Carlsen auch heute noch außergewöhnlich und in der Buchbranche einzigartig“, sagt Verlagschefin Renate Herre. „Das wird es so wohl nie wieder geben.“ Der große Hype setzte zwischen dem dritten und vierten Band ein, rund um das Jahr 2000. „Plötzlich belegte ein Kinderbuch Platz eins bis drei der Bestsellerlisten“, erinnert sich Herre. Wesentlich dazu beigetragen habe die Verbreitung des Internets. „Erstmals bekam ein Buchtitel eine eigene Homepage, vor allem aber wurde Fanfiction zum Mainstream“, erzählt sie. „Die Leser mussten ja die Wartezeit bis zum nächsten Band überbrücken. Es ist unglaublich, wie viele Geschichten sie dabei produziert haben.“

Nicht nur die Literatur, auch der kommerzielle Scharfsinn der Autorin wird längst wissenschaftlich erforscht. Emer O’Sullivan, Professorin für englische Literaturwissenschaft an der Lüneburger Leuphana Universität, trifft sie in ihren Seminaren, „diese privilegierte Generation, die mit der Reihe groß geworden ist, die bis zum nächsten Band warten und mitfiebern musste“. Für sie habe „Harry Potter“ so etwas wie eine moderne Mythologie begründet. „Es geht eben nicht nur um das offensichtliche Gut gegen Böse, Rowling tastet sich auch an weitere ethische Fragen heran.“ Ihre Studenten erzählten ihr von Lektüreerlebnissen, die prägend in ihrem Leben gewesen seien, so die Dozentin. „Wenn sie heute krank oder niedergeschlagen sind, hören sie die Hörbücher, um sich zu trösten.“

Prägend war der Welterfolg auch für die Landschaft der Kinder- und Jugendliteratur. Plötzlich wurde in zahllosen Büchern gehext und gezaubert. „Harry löste nicht nur einen neuen Fantasyboom aus, es erschienen danach mehr Reihen und mehr Crossover-Titel, also Bücher für junge wie erwachsene Leser gleichermaßen“, meint die Expertin. „Vor allem aber wurde Kinder- und Jugendliteratur aufgewertet. Die New York Times machte eine eigene Bestsellerliste dafür auf, als Harry Potter alles andere verdrängte.“ Auf dem deutschsprachigen Markt trug Übersetzer Klaus Fritz zum Erfolg bei. „Die Übersetzer bekamen meistens nur ganz wenig Zeit. Aber auch für seine sprachlichen Einfälle gebührt ihm ganz großes Lob“, sagt O’Sullivan.

Als der erste deutsche Potter in den Handel kam, arbeitete Christel Heidemann-Schmidt in einer Buchhandlung in Elmshorn bei Hamburg und war wie ihre ebenfalls für den Kinder- und Jugendbucheinkauf zuständige Kollegin begeistert. „Ich schrieb eine Rezension für ein Anzeigenblatt und warnte: „Wenn Sie Ihrem Jungen dieses Buch kaufen, werden Sie ihn drei Tage lang nicht sehen.“ Auch damals war es schon wichtig, Jungen zum Lesen zu bekommen. Noch immer ist sie im selben, heute zu Heymann gehörenden Geschäft – und noch immer funktioniere „Harry Potter“ als Einstiegsdroge für Lesemuffel.

Fasziniert war die Buchhändlerin damals nicht nur davon, dass eine Autorin von Anfang an sieben Bände ankündigte. Gerne habe sie ihren Kunden auch die Geschichte von der arbeitslosen, alleinerziehenden Autorin aus Großbritannien erzählt, deren Manuskript erst niemand wollte. In Deutschland lehnten viele Kinderbuch-Verleger ebenfalls ab. Klaus Humann schlug zu. Mutig legte er einen fünfstellige D-Mark-Betrag auf den Tisch für den Roman einer unbekannten Autorin. Humann leitete damals den Hamburger Carlsen Verlag mit 35 Mitarbeitern als charmanten Kleinbetrieb. Heute sind es 190 Mitarbeiter.

Fans erzählen von ihren Erlebnissen

Carlsen sorgt dafür, dass der Zauber weitergeht. Zum Jubiläum veröffentlicht der Verlag am 31. August alle sieben Bände als Neuausgabe. Für den neu illustrierten Auftritt wählten sie den Mailänder Künstler Icapo Bruno aus. Auch Hörbuchstar Rufus Beck kehrt dann nach langer Zeit für drei Jubiläumslesungen in Hamburg, Berlin und München in die Zauberschule Hogwarts zurück. Kurze Zeit später kommt der zweite Film des Spin-offs „Phantastische Tierwesen“ in die Kinos. Das Theaterstück „Harry Potter und das verwunschene Kind“, wird 2020 ebenfalls in Hamburg auf die Bühne gebracht.

Zum Jubiläum richtete Carlsen die Internetseite „20 Years Of Magic“ ein. Dort teilen Fans ihre schönsten Erlebnisse mit der magischen Welt. „Ich weiß noch, wie ich am Fenster gestanden und auf den Briefträger gewartet habe“, schreibt Cathrin. War das Buch endlich da, habe sie es sofort durchgelesen. Und Tania berichtet: „Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht kurz in Hogwarts vorbeischaue. Die Bücher sind meine Zuflucht, mein Ausbruch aus dem Alltag, mein zweites Zuhause und damit etwas ganz Besonderes.“ (dpa)

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