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Freitag, 10.08.2018

Gitarrenbasierte Männermusik

Den Britpop gibt es noch: auf den neuen Alben von The Coral und Miles Kane. Auch Veteranen des Genres sind aktiv.

Von Werner Herpell

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Die britische Band The Coral. Ihr neues Album „Move Through The Dawn“ erscheint am Freitag.
Die britische Band The Coral. Ihr neues Album „Move Through The Dawn“ erscheint am Freitag.

© Jack Prince/Verstärker/Ignition Records/dpa

Zur Einordnung der neuen Alben von Miles Kane und The Coral kommt man an einem leicht angestaubten Begriff kaum vorbei: Britpop. Passt ja auch zu gut. Enthält der Sound dieser Gitarrenrocker aus der Region Liverpool doch viele typische Zutaten des Stils, der die 90er-Jahre prägte. Und sie sind damit nicht allein: Weitere verdiente „Britpopper“ haben zuletzt wieder neue Platten abgeliefert oder stehen in den Startlöchern.

Rückblende: Zum dritten Mal nach der „Beatlemania“ der 60er- und dem Punk-Beben der 70er-Jahre war das Vereinigte Königreich pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft in England 1996 Nabel der Musikwelt. Britpop war die hochwillkommene, melodieselige, oft sogar stadiontaugliche Gegenbewegung zum düsteren US-Grungerock jener Jahre. Deshalb wurde seinerzeit fast jede einigermaßen präsentable Gitarren-Combo, die nicht schnell genug auf den Bäumen war, von trendgierigen Plattenfirmen gecastet.

Kein gutes Gefühl?

In der Auseinandersetzung der gegensätzlichen Mega-Bands Oasis und Blur kulminierte der Hype. Das Britpop-GigantenDuell wurde vor gut 20 Jahren nicht nur an den Verkaufstresen, sondern von vielen Fans auch verbal so hitzig ausgetragen wie einst „Beatles versus Rolling Stones“.

Doch wie viel blieb vom Britpop übrig? Wie relevant ist der Stil heute noch? Ist traditionsverhaftete gitarrenbasierte Männermusik nicht eigentlich mausetot? Luke Haines, als Sänger der Artrock-Band The Auteurs zwischen 1992 und 1999 mittendrin, sagte: „Ich glaube nicht, dass man sich an Britpop noch lange erinnern wird, zumindest nicht mit positiven Gefühlen.“

Doch die Gegenwart des Traditionsgenres sieht gar nicht mal so übel aus. Viel Liebe zum englischen Sixties-Pop und Seventies-Rock, hübsche Melodien, gediegene Arrangements, jeweils ein knappes Dutzend kurze, knackige Songs: Ja, die Liverpooler Band The Coral und der gleichfalls aus der Merseyside-Region stammende Sänger Miles Kane passen auch 2018 noch ganz gut in die Britpop-Schublade. Bahnbrechendes sucht man hier zwar vergeblich. Aber das war auch kaum zu erwarten, nachdem Pioniere wie Radiohead und Blur nach ihren Britpop-Anfängen bereits vor zwei Jahrzehnten zu neuen Ufern aufbrachen.

Fast so lange sind The Coral schon Teil der Szene. Mit „Magic And Medicine“ hatten die Nordengländer 2003 auf der Insel sogar mal ein Nummer-eins-Album. Ihr abwechslungsreicher Mix umfasste im Laufe der Jahre Blues- und Folkrock, Westcoast- und Psychedelic-Pop. „Move Through The Dawn“ enthält nun zusätzlich Anklänge an Klassiker wie Beatles, Love oder Electric Light Orchestra. Das ist ein kurzweiliges Vergnügen, nicht mehr und nicht weniger.

Miles Kane wildert auf seiner dritten Soloplatte „Coup De Grace“ dezent beim britischen Punk der späten 70er, mehr noch aber beim Glitter- und Glam-Pop von David Bowie oder Marc Bolan („Cry On My Guitar“). Das hat Charme und Schwung, alle Songs funktionieren als kompetente Verbeugung vor alten Helden, doch auch hier stellt man etwas ernüchtert fest: Innovation? Fehlanzeige. Der 32-jährige Kane hat nun ein ambitioniertes, vergleichsweise überraschendes Album gemacht. Ein Großwerk, das manche alte Verehrer durchaus irritieren dürfte.

Um Oasis bleibt es ruhig

Überhaupt scheint 2018 ein recht ordentlicher Britpop-Jahrgang zu sein. Der frühere Supergrass-Sänger Gaz Coombes und Smiths-Gitarrenlegende Johnny Marr haben zuletzt gute Soloplatten vorgelegt. Blur-Frontmann Damon Albarn spielt mit der Cartoon-Band Gorillaz und demnächst wieder mit seiner All-Star-Truppe The Good, The Bad & The Queen ohnehin in einer eigenen Liga.

Angekündigt für die zweite Jahreshälfte sind neue Platten von Suede, Spiritualized und The Kooks. Weiterhin still bleibt es dagegen um frühere Britpop-Ikonen wie Pulp, Travis, The Verve – und wohl auch um Oasis, die 2009 aufgelöste Band der tief zerstrittenen Krawall-Brüder Noel und Liam Gallagher.

Gespannt darf man sein, wie sich demnächst zwei wichtige Britpop-Impulsgeber mit ihren neuen Alben schlagen: Erste Hörproben von Paul Weller (60, früher The Jam und Style Council) und Beatles-Genie Paul McCartney (76) wecken Hoffnungen auf späte Meisterwerke beider Veteranen.

The Coral: „Move Through The Dawn“; Ignition Records Miles Kane: „Coup De Grace“; Virgin/EMI/Universal.

Beide Alben erscheinen am Freitag.

Miles Kane ist live zu erleben am 5.10. in Köln, am 6.10. in Hamburg und am 9.10. in Berlin.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. MajorKong

    Sorry, liebe SZ, aber "gitarrenbasierte Männermusik" gibt es in Wacken und bei ähnlichen Veranstaltungen.

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