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Dienstag, 14.10.2008

Gespür für die Farbe des Schnees

Mit ihrer zweiten CD will die Band„Polarkreis18“ aus Dresden endlich auf den Popgipfel. Ein Gespräch mit den Musikern Christian Gorchau und Ludwig Bauer.

Kühle Optik und warme elektronische Popmusik – bleibt das auch weiterhin Markenzeichen von „Polarkreis 18“?

Christian Grochau: Für uns ist es sehr wichtig, dass unser Konzept immer einen roten Faden behält. Wir haben natürlich bewusst mit dem Wort Polarkreis gespielt. Der Album-Titel „The Colour of Snow“ beruht auf der Geschichte über ein Experiment in den 1950er Jahren. Schulkindern wurde über lange Zeit von Psychologen weisgemacht, dass Schnee die Farbe Schwarz hat. Im gleichnamigen Lied wird der Lehrer von unserm Sänger Felix dargestellt. In der zweiten Strophe setzt dann ein Kinderchor ein, der die ganze Sache verbildlicht.

Worin liegt beim „The Colour of Snow“ der größte Unterschied zu Eurem Debütalbum?

Christian Grochau: Am besten wird das an der Single „Allein allein“ deutlich. Da gibt es eine klare Liedstruktur wie bei vielen anderen Liedern auf der CD. Früher sind wir ja eher über einen bestimmten Klang zum Lied gekommen, und man hatte generell mehr Zeit. Diesmal war die Grundkomposition schon fertig, bevor wir anfingen, die Lieder richtig auszuarbeiten. Es gibt mehr Songs, die mit Klavier, Gitarre und Gesang entstanden sind. Deswegen sind jetzt viel konkretere Liedstrukturen vorhanden. Die Songs können also auch nur mit Klavier oder Gitarre ihre volle Wirkung entfalten.

Ist „Polarkreis 18“ damit lagerfeuertauglich geworden?

Ludwig Bauer: Theoretisch ja. Aber „Polarkreis 18“ definiert sich auch weiterhin über die Suche nach Sounds. Klangforschung zu betreiben, bleibt eine Polarkreis-Facette, die von uns weiter ausgebaut wird. Es gibt auch bei „The Colour of Snow“ klanglich wieder viel zu entdecken. Ein kleines Steckenpferd während der Produktion war die Arbeit mit analogen Synthesizern.

Euer Sänger Felix Räuber legt jetzt deutlich mehr Wert auf die Liedtexte. Ist das ein Stück weit Anpassung an den Musikmarkt?

Christian Grochau: Das ist nicht so auffällig, wie man vielleicht denkt. Felix hat ja trotzdem weiterhin seine eigene Art zu singen. Es ist auch weiterhin so, dass die Texte nicht so klar im Vordergrund stehen, wie zum Beispiel bei einem Singer/Songwriter, der seine Stimme komplett nach vorne stellt. Es ist ja definitiv eine Weiterentwicklung im Vergleich zur ersten CD. Die Stimme ist jetzt nicht mehr so instrumentenhaft, sondern übernimmt mehr denn je Gesangsfunktion.

Eure erste CD ist über mehrere Jahre hinweg entstanden. Wie hat es die Band geschafft, den Zeitaufwand diesmal so drastisch zu reduzieren?

Christian Grochau: Für uns war das ein Lernprozess. Fürs neue Album haben alle sechs im Studio zusammengesessen und Meinungen ausgetauscht. Viele Kompromisse in kurzer Zeit einzugehen, das war eine große Herausforderung. So ist es schließlich ein richtiges Band-Album geworden. Am Ende hat sich das Ganze zwar über zwei Monate hingezogen. Aber wir haben es terminlich noch geschafft, möglichst nicht im Veröffentlichungs-Wahn gegen Jahresende unterzugehen.

Die Orchester-Arrangements tragen die Handschrift des Musikers Sven Helbig von den Dresdner Sinfonikern. Gehört er zum inneren Kreis der Band?

Ludwig Bauer: So romantisch ist es leider nicht. Der Kontakt ist über unsere Plattenfirma zustande gekommen. Wir kannten seine Arbeit schon vorher. Was er in Dresden mit den Pet Shop Boys oder mit Rammstein gemacht hat, fanden wir schon immer gut. Und der Plan, mal mit einem richtigen Orchester etwas aufzunehmen, brodelte eigentlich schon ziemlich lange im Polarkreis-Kopf. Felix und Sven haben die Orchester-Arrangements gemeinsam ausgearbeitet.

Wie bekannt ist „Polarkreis 18“ nach Eurer eigenen Einschätzung mittlerweile?

Christian Grochau: Ich denke, dass „Polarkreis 18“ gerade in Deutschland und durch größtenteils positive Kritiken eine gewisse Bekanntheit erlangt hat. Für mich als Musiker sind solche Gedanken eher anstrengend. Ich finde es aber toll, wenn die Resonanz wächst.

Ludwig Bauer: Wirkliche Gedanken mache ich mir darüber auch nicht. Vielleicht wenn man merkt, dass man irgendwo bekannt wird, wo man’s nicht erwartet hätte.

Das Gespräch führte Tom Vörös.

Polarkreis18, „TheColour of Snow“, Universal