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Dienstag, 06.03.2018 TV-Tipp

Gefühlsschwamm führt besser

Eine Doku zeigt Karrierewege von Frauen und lässt dafür drei Top-Managerinnen berichten.

Von Violetta Kuhn

Nicht nur hier auf dem Weg nach oben: Fanny Letier, geschäftsführende Direktorin der Investitionsbank Bpifrance, startet frühmorgens vom Flughafen Genf zu einer Geschäftsreise.
Nicht nur hier auf dem Weg nach oben: Fanny Letier, geschäftsführende Direktorin der Investitionsbank Bpifrance, startet frühmorgens vom Flughafen Genf zu einer Geschäftsreise.

© Arte/Al-Chalabi

Wie muss eine Frau sein, um Karriere zu machen? Meinungen dazu füllen Bücher, Coaches geben Antworten: Eine Karrierefrau muss lernen, kurze Sätze zu formulieren. Sie sollte ausladend gestikulieren und sich bitte nicht zu weiblich kleiden. Sie sollte beim Fachsimpeln über die Bundesliga-Ergebnisse mithalten können. Und so weiter. Für alle anderen gibt es dann noch die Frauenquote.

Arte zeigt am Dienstag eine Doku, die solche Allgemeinplätze hinterfragt. Dafür lässt die Berliner Filmemacherin Marita Neher weibliche Führungskräfte aus drei großen europäischen Unternehmen zu Wort kommen. In eindringlichen Interviews berichten diese Frauen, worauf es bei ihrem Weg nach oben ankam und wie sie Frauenquoten sehen.

Da ist die französische Investment-Bankerin Fanny Letier, die sich selbst als eine Art „Gefühlsschwamm“ sieht und darin eine ihrer größten Stärken ausmacht. Sie könne die Stimmungen ihrer Mitarbeiter schnell aufnehmen und dadurch besser führen, sagt sie. Da ist María Luisa de Contes, Generalsekretärin und Chefjuristin von Renault Spanien, die sich selbst als „autoritäre Frau“ bezeichnet, die die Menschen liebt, und die leidenschaftlich für eine Frauenquote in spanischen Unternehmen streitet.

Und da ist die deutsche SAP-Managerin Anka Wittenberg, die nach der Trennung von ihrem Mann und trotz Kindern entschieden hat, ihre Karriere weiter voranzutreiben. Sie ist heute überzeugt: Das Nachahmen von „typisch männlichen Eigenschaften“ bringt nicht viel. „Ich brauche keine Frau, die sich so ganz unglaublich angepasst hat, sondern ich brauche schon diese Authentizität“, sagt Wittenberg. Drei Frauen, drei unterschiedliche Karrieren.

Das Ganze ist ein unaufgeregter Film, der ein vielstimmiges Bild der europäischen Arbeitswelt zeichnet. Flammende Appelle an die Frauen und ihr Selbstwertgefühl sind dabei, aber auch ernüchterte Chefs, die keine Bewerberinnen für Führungspositionen finden. Ganz klar ist am Ende nur eins: Die Gleichberechtigung im Beruf ist noch lange nicht erreicht. (dpa)

„Ich will! Frauen im Topmanagement“, 20.15 Uhr, Arte

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