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Freitag, 18.05.2018

Film ist ein Hochrisikogeschäft

Departures Film aus Sachsen gelang Einzigartiges: Sie schafften es gleich mit zwei Produktionen auf die Berlinale.

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Christian (Franz Rogowski) arbeitet im Großmarkt in der Getränkeabteilung. Er und Marion (Sandra Hüller) von den Süßwaren lieben sich. Leider ist sie bereits verheiratet... „In den Gängen“ von Departures Film startet nächste Woche im Kino.
Christian (Franz Rogowski) arbeitet im Großmarkt in der Getränkeabteilung. Er und Marion (Sandra Hüller) von den Süßwaren lieben sich. Leider ist sie bereits verheiratet ... „In den Gängen“ von Departures Film startet nächste Woche im Kino.

© Zorrofilm

  • Christian (Franz Rogowski) arbeitet im Großmarkt in der Getränkeabteilung. Er und Marion (Sandra Hüller) von den Süßwaren lieben sich. Leider ist sie bereits verheiratet... „In den Gängen“ von Departures Film startet nächste Woche im Kino.
    Christian (Franz Rogowski) arbeitet im Großmarkt in der Getränkeabteilung. Er und Marion (Sandra Hüller) von den Süßwaren lieben sich. Leider ist sie bereits verheiratet ... „In den Gängen“ von Departures Film startet nächste Woche im Kino.
  • Undine Filter...
    Undine Filter...
  • und Thomas Král haben Departures Film 2010 gegründet.
    und Thomas Král haben Departures Film 2010 gegründet.

Der Leipziger Firma Departures Film gelang eine Art Sechser im Lotto: Mit „3 Tage in Quiberon“ und „In den Gängen“ sind gleich zwei ihrer Produktionen in insgesamt 14 Kategorien für den Deutschen Filmpreis nominiert und liefen im Wettbewerb der Berlinale. Departures Film wurde 2010 von Undine Filter und Thomas Král gegründet. Wir sprachen mit ihnen über ihr Erfolgsrezept, den Filmstandort Mitteldeutschland und darüber, wie man aus der Provinz heraus Filme von der ersten Idee über die Suche nach Geldgebern bis zur Umsetzung für das Kino ermöglicht.

Frau Filter, Herr Král: Die meisten Filmproduzenten schaffen es niemals auf die Berlinale. Ihnen ist das in diesem Jahr gleich doppelt gelungen. Wie haben Sie das angestellt?

Undine Filter: Zwar wussten wir, dass beide Produktionen sehr stark sind. Letztendlich wählt aber die Berlinale die Filme aus, die sie präsentieren möchte. So etwas kann man nicht planen.

Thomas Král: Ein Quentchen Glück gehört natürlich auch dazu. Viele gute Filme gehen unter, statt die ihnen gebührende Aufmerksamkeit zu bekommen.

Was verbirgt sich hinter der Tätigkeit eines Produzenten? Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Král: Wer das Bild vom amerikanischen, zigarrenrauchenden Filmmogul im Kopf hat, der das Geld hin- und herschiebt, liegt bei uns falsch. Aber im Ernst: Meist sind wir schon ab dem Stadium der Stoffentwicklung in ein Projekt eingebunden. Wir lesen Drehbücher, fahren auf Festivals, tauschen uns mit Autoren und Regisseuren aus, klären juristische, steuerliche sowie organisatorische Fragen und stellen die Finanzierung zusammen. Man kann sagen, wir sind Projektmanager.

Filter: Natürlich haben wir die Kosten im Blick, aber es ist nicht unser Job nur zu sagen: Geht nicht. Stattdessen sagen wir den Regisseuren immer: Denkt erst mal groß. Wo liegen eure Prioritäten? Danach schauen wir, wie wir das bestmögliche Resultat mit dem vorhandenen Budget hinbekommen. Um zu kreativen Lösungen zu kommen, braucht es Erfahrung und Zeit.

Aus welchen Quellen treiben Sie das Geld für Ihre Produktionen auf?

Filter: Wir finanzieren unsere Projekte über die Filmförderungen, Sender, Verleiher, Weltvertriebe und Eigenanteil.

Was empfinden Sie als das Schwierigste an Ihrer Arbeit?

Filter: Man braucht einen langen Atem, denn von der ersten Idee bis zur Festivalpremiere dauert es meist zwischen fünf und sieben Jahren. Daher müssen wir ein Gespür dafür entwickeln, welche Geschichten das Publikum in einigen Jahren interessieren werden. Ein jetzt aktuelles Thema ist dann vielleicht schon nicht mehr relevant.

Král: Die Kunst besteht darin, universelle Themen zu finden. Ein Film berührt, wenn die Zuschauer Rückschlüsse auf sich selbst ziehen können. Aber das aus meiner Sicht Schwierigste ist wohl, die Unsicherheit auszuhalten, ob ein Projekt am Ende gelingt. Film ist ein Hochrisikogeschäft. Da geht es uns wie jeder Firma, die ein neues Produkt entwickelt. Es ist völlig normal, wenn Projekte scheitern. Aber es ist schon bitter, wenn dann mehrere Jahre Arbeit umsonst waren. Deshalb arbeiten wir meist an circa zehn Projekten in unterschiedlichen Stadien, um den Betrieb kontinuierlich am Laufen zu halten.

Filter: Mitunter sind wir von Umständen abhängig, die wir nicht beeinflussen können. Ein fast durchfinanziertes Projekt haben wir zum Beispiel in der Ukrainekrise verloren. Aktuell arbeiten wir an einer Koproduktion mit der Türkei, wo derzeit auch eine komplizierte politische Situation herrscht. Aber zum Glück ist der Film bereits abgedreht.

Woraus beziehen Sie die Motivation, diese Unwägbarkeiten zu meistern?

Filter: Unser Antrieb ist einfach unsere Leidenschaft für gute Filme. Wir suchen unsere Themen selbst aus. Vor allem wollen wir sozial relevante Themen beleuchten und ins Bewusstsein der Leute bringen. Durch unsere Arbeit kommen wir in Kontakt mit Leuten aus unterschiedlichsten Branchen, Kulturen und Ländern, die alle das gemeinsame Ziel haben, einen Film zu machen. Das ist eine große persönliche Bereicherung.

Král: Jeder Film ist ein Unikat, die Abläufe sind jedes Mal anders. Man lernt also nie aus, und gerade das macht es spannend.

Wenn der Film dann fertig ist: Worin drückt sich für Sie der Erfolg Ihrer Arbeit aus? Eher in Zuschauerzahlen, Pressekritiken oder Festivalpreisen?

Král: Bei Fertigstellung kenne ich den Film in- und auswendig, ich kann ihn nicht mehr objektiv beurteilen. Deshalb ist es für mich ein guter Film, wenn er die persönlichen Erwartungen erfüllt, die ich an dieses Projekt gestellt habe. Auf welche Resonanz er dann bei Presse und Publikum trifft, liegt nicht mehr in meiner Hand. Darüber hinaus liegt es in der Natur der Sache, dass sich künstlerischer und kommerzieller Erfolg oft beißen.

Filter: So war „Herbert“, der vorherige Kinofilm von Thomas Stuber, ein großer Festivalerfolg und gewann einige hochkarätige Preise wie zum Beispiel den Deutschen Filmpreis in Silber in der Kategorie „Bester Spielfilm“ 2016. In den Publikumszahlen aber hat sich das nicht widergespiegelt.

Wie schätzen Sie den Filmstandort Mitteldeutschland ein? Mit Thomas Stuber haben Sie ja sozusagen einen Lokalmatador als Regisseur an Bord.

Filter: Uns gefällt an Thomas Stuber, dass seine Geschichten hier vor Ort verankert sind. Zwar wird in Mitteldeutschland viel gedreht, aber oft spielen die Filme dann gar nicht hier.

Král: Hier ist die Filmlandschaft noch eine Nummer kleiner als beispielsweise in Berlin, München, Hamburg oder Köln. Es braucht Zeit, um einen Filmstandort zu entwickeln. Unser Eindruck ist aber, dass sich in den drei Ländern momentan viel auf dem Gebiet tut.

Das Gespräch führte Dörthe Gromes.

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