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Mittwoch, 10.10.2018

Feuer in Hirn und Hose

Von Andreas Körner

Patrick (Gerard Depardieu) und Emma (Adriana Ugarte) sind seit Kurzem ein Paar. Dann trifft Emma auf Patricks Freund Daniel – und der will sie unbedingt haben, so, wie sie ihn. Foto: Weltkino
Patrick (Gerard Depardieu) und Emma (Adriana Ugarte) sind seit Kurzem ein Paar. Dann trifft Emma auf Patricks Freund Daniel – und der will sie unbedingt haben, so, wie sie ihn. Foto: Weltkino

© dpa

Wie es dem französischen Film geht? Für eine faire Antwort müsste man in Frankreich nachfragen oder gleich dorthin fahren. In Deutschland hat das Franzosenkino peu à peu an Resonanz und Bedeutung verloren. Zu viele schmalbrüstige Komödien kamen, die Madames und Monsieurs sowie Nahrungs- und Genussmittel im Titel trugen. Zu viele „In Frankreich ein Hit“-Streifen erlebten hier ein Desaster. Man hat es nach „Ziemlich beste Freunde“ schlichtweg übertrieben mit den Einkäufen.

In Zeiten des Überflusses gelten 100 000 Zuschauer als Erfolg. „Ein Dorf zieht blank“ hatte keine 25 000, „Liebe bringt alles ins Rollen“ keine 40 000, die Dok-Filme „Das Prinzip Montessori“ und „Kleine Helden“ schlagen sich achtbar, die bislang besten Franz-Streifen des Jahres waren „12 Tage“, „Ava“ und „Nach dem Urteil“, blieben aber nahezu unbeachtet liegen. Warum dieser Ausflug ins Reich der Zahlen? Weil der Nachbar mit „Verliebt in meine Frau“ jetzt wieder anklopft. Könnte gut sein, er wird erneut überhört.

Schauspieler-Koryphäe Daniel Auteuil – besonders in den Neunzigern imposanter Fänger vieler Cineasten – legt seine vierte Regiearbeit vor und adaptiert das Bühnenstück „L’envers du décor“. Ein Zweimann/Zweifrau-Kammerspiel ist es, eindeutig Boulevard, was irgendwie nach Entschuldigung klingt. Die Entschuldigung hätten hier jene Willigen verdient, die selbst dem Boulevard eine aufrechte Chance geben. Diese 85 Minuten sind nur peripher lustig, oft nur albern, selten knackig, oft nur hölzern. Und das bei dieser Besetzung mit Sandrine Kiberlain, Adriana Ugarte, Gérard Depardieu und Auteuil selbst! Hier die stabil wirkenden Eheleute Isabelle und Daniel, dort die neu gefundenen Emma (zu jung) und Patrick (zu alt). Die Männer sind Freunde, die Frauen wollen sich besser nicht in die Augen blicken, denn es gibt da eine Vorgeschichte. Egal, man isst zu Abend, Isabelle teilt Spitzen aus, während Daniel völlig am Rad dreht. Die offenkundige Schönheit von Emma knipst in Hirn und Hose alles an, was nur geht. Dumm für Daniel und uns als Zeugen, dass seine Fantasien zu sehen sind. Er will Emma, sie will ihn, ein neues Leben ist möglich und gar schon im Gange.

Die schönste Szene unter sehr wenigen schönen gehört Depardieu bei Tisch: Den lecker grünen Spargel taucht er gleich mal mit den Fingern in die Sauce Mousseline. Schmatz!

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