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Donnerstag, 17.05.2018

Ex-Stasi-Agentin unter Beschuss

Lina Wendel verpasst in ihrer Rolle als Anne Marie Fuchs dem ARD-Krimidrama „Die Füchsin“ einen speziellen Charme.

Von Ulrike Cordes

Anne Marie Fuchs (Lina Wendel) und Youssef El Kilali (Karim Cherif) verfolgen in ihrem neuen Fall eine gefährliche „Spur in die Vergangenheit“.
Anne Marie Fuchs (Lina Wendel) und Youssef El Kilali (Karim Cherif) verfolgen in ihrem neuen Fall eine gefährliche „Spur in die Vergangenheit“.

© WDR

Selten erscheint „Die Füchsin“ auf der Bildfläche. Erstmals gesichtet wurde sie Ende 2015 in der Episode „Dunkle Fährte“. Anfang 2017 folgte „Die Spur auf der Halde“. Nun ist die Mittfünfzigerin Anne Marie Fuchs, eine in Düsseldorf isoliert und von Hartz 4 lebende ehemalige Stasi-Agentin, mit ihrem dritten Fall konfrontiert: „Spur in die Vergangenheit“ heißt der nächste Krimi am Donnerstag im Ersten. Und der erschüttert die in ihrer herben Verschlossenheit für deutsche Fernsehverhältnisse außergewöhnliche Ermittlerin zutiefst.

Endlich erhält sie Gewissheiten über ihren Sohn Florian, der ihr weggenommen wurde, nachdem sie sich Anfang 1989 vom Staatssicherheitsdienst losgesagt hatte. In einem DDR-Kinderheim soll Florian gestorben sein. Gleich zu Anfang sucht Fuchs ihren Ex-Gatten Konrad in dessen Villa auf, um mehr über das Schicksal von beider Kind zu erfahren. Stattdessen wird sie Zeugin, wie Konrad, beim Bundesverteidigungsministerium beschäftigt, von einem Vermummten erschossen wird – der dann den Lauf seiner Waffe auf sie richtet. Der Täter entkommt.

Und Fuchs erfährt, dass Konrad auch für die Stasi gearbeitet hat, also Doppelagent war. Ist sein Sohn Markus in Wahrheit Florian? An der Seite ihres dauerschwatzenden Bekannten Youssef, der die hochintelligente Frau zur Gründung einer gemeinsamen Detektei überredet hat, macht sich Fuchs auf die Suche nach den Tatsachen. Dabei ist die Handlung leider schnell zu durchschauen. Dennoch ist der Genre-Mix aus Krimi, Agententhriller und Komödie sehr sehenswert. Das liegt zum einen am Hauptthema, über das vielleicht noch immer zu wenig Klarheit herrscht: die innere Verfasstheit von Menschen aus der früheren DDR, die zwar einerseits das Glück hatten, in eine freiheitlichere Gesellschaftsordnung wechseln zu können. Deren Probleme dabei aber oft nicht wahrgenommen wurden.

Zum anderen ist es Hauptdarstellerin Lina Wendel, die ihre äußerlich unscheinbare Arbeitslose Fuchs mit so vielen Nuancen zwischen Sprödigkeit und Verletztheit, Humor und Charme ausstattet, dass diese zur fesselnd wahrhaftig erscheinenden Figur der Zeitgeschichte gerät. (dpa)

„Die Füchsin – Die Spur auf der Halde“, 20.15 Uhr, ARD