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Montag, 14.05.2018 TV-Tipp

Euro-Krimi zwischen Berlin und Athen

Wieder ein politisch brisanter Fall für den Privatdetektiv Dengler. Es geht um die Privatisierung der griechischen Wasserwirtschaft.

Von Johannes von der Gathen

Der Tathergang kann nicht stimmen: Dengler (Ronald Zehrfeld) und Olga (Birgit Minichmayr) versuchen, ihn zu rekonstruieren.
Der Tathergang kann nicht stimmen: Dengler (Ronald Zehrfeld) und Olga (Birgit Minichmayr) versuchen, ihn zu rekonstruieren.

© ZDF

Bomberjacke, T-Shirt, ausgebeulte Jeans: Der Ex-BKA-Zielfahnder und Privatermittler Georg Dengler strahlt einen ruppigen Charme aus. Zusammen mit der smarten Computer-Hackerin Olga Illiescu, die auf der Fahndungsliste der Polizei steht, ermittelt der unrasierte, impulsive Schnüffler oft haarscharf am Rand der Legalität.

Dieses eigenwillige Duo agiert meilenweit entfernt vom deutschen Fernsehkrimi-Mainstream. Ihren letzten Einsatz, der sie in den braunen Sumpf der NSU-Morde führte, wollten im November 2017 aber lediglich 3,88 Millionen Zuschauer (12,3 Prozent Marktanteil) in der Primetime sehen. In ihrem mittlerweile vierten Fall verschlägt es die beiden Outlaws nun nach Griechenland. Der sehenswerte, hochkarätig besetzte TV-Krimi „Dengler – Fremde Wasser“ läuft am Montag.

Dengler bekommt den Auftrag, die mysteriösen Umstände eines Bootsunfalls aufzudecken, bei dem der griechische Lobbyist Konstantinos Kolidis anscheinend ums Leben kam. Kolidis war in die Privatisierung der Wasserversorgung involviert, sah diese zunehmend kritisch und hatte Korruptionsfälle aufgedeckt. Er pflegte Kontakte zum deutschen Bundestagsabgeordneten Andreas Schülkopf, der sich ebenfalls als Privatisierungsgegner profiliert hatte – gegen den Widerstand in seiner eigenen Fraktion.

Als Schülkopf von einem ominösen Gangster, der nur „der Doktor“ genannt wird, in seiner Villa überfallen und seine Familie bedroht wird, gelingt es Dengler und Olga mit einem gewagten Coup, Beweismaterial aus dem Bundestagsbüro des Abgeordneten herauszuschmuggeln. Die Spur führt zurück nach Athen – und danach bis nach Brüssel in die höchsten Kreise der EU-Bürokratie.

Drehbuchautor Lars Kraume („Das schweigende Klassenzimmer“; „Der Staat gegen Fritz Bauer“), der für alle vier Dengler-Folgen verantwortlich zeichnet, gelingt es auch diesmal, eine spannende Geschichte mit politischer Relevanz zu kombinieren. Sein Film basiert auf dem gleichnamigen Roman des Krimiautors Wolfgang Schorlau, der in seinen Büchern immer wieder politisch brisante Themen aufgreift.

In diesem Fall geben die Ermittlungen im wirtschaftlich maroden Griechenland reichlich Raum für Seitenhiebe auf deutsches Dominanzgehabe. Und einen Philosophen lernen wir auch noch kennen: Dengler bekommt in Athen Unterstützung vom Polizeibeamten Sokrates, über dessen Namen immer wieder Späße gemacht werden. Aber dieser leidgeprüfte Grieche erweist sich am Ende dann doch als der Klügste von allen. Er weiß, dass er nicht alles weiß. (dpa)

„Dengler – Fremde Wasser“, 20.15 Uhr, ZDF

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