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Dienstag, 23.10.2018

Endlich angekommen

Von Sonja Wurtscheid

Neues Album, neue Tour: Bosse kommt im Sommer für ein großes Konzert nach Dresden. Foto: dpa
Neues Album, neue Tour: Bosse kommt im Sommer für ein großes Konzert nach Dresden. Foto: dpa

© dpa

Auf seinem neuen Album „Alles ist jetzt“ singt Bosse in einem Lied: „Tausch meinen Trekking-Rucksack gegen ein Billy-Regal“. Ein bisschen erinnert die Platte des gebürtigen Niedersachsen auch an das bekannte Möbelstück: Die simple Form passt in viele Wohnzimmer. In zwölf Songs erzählt Axel Bosse von Glücksmomenten, verflossenen Liebschaften, seiner alten Heimat – und plötzlich auch von sozialer Ungerechtigkeit und Wutbürgern.

Sein siebentes Album sei das erste mit politischen Statements, erzählt der 38-Jährige im Interview. In „Robert de Niro“ fragt Bosse, begleitet von überraschend dumpfen Beats: „Ist das noch das Land, in dem sie leben will?“ Kellnerin Claire kommt von ihrer schlecht bezahlten Arbeit nach Hause, „sieht Wutbürger schreien im Fernsehen“. Bosse singt: „Hass kommt von sozialer Ungerechtigkeit, vielleicht von fehlendem IQ; aber das da ist einfach nur Nazi-Scheiß.“ Das Lied beschreibt das „düstere Kotz-Gefühl“, das Bosse nach eigener Aussage hatte, als er das erste Mal eine Dresdner Montagsdemo im Fernsehen sah.

Wie empfindet er die soziale und politische Stimmung im Land? „Deutschland ist gerade auf dem falschen Film, weil wir einen immensen Rechtsruck haben. Die Gegenreaktion muss sein, dass empathische Leute und vor allem Künstler und Leute, die mehr als 20 Instagram-Follower haben, den Mund aufmachen“, findet Bosse.

Überwiegend politisch ist die neue Platte aber nicht. Im Gegenteil: Die meisten Songs laden eher zum Tanz auf einer Blumenwiese ein als zur Revolution. „Ich bin kein Punker mehr“, scherzt der Familienvater. „In dem Album geht es auch hier und da ums Genießen“, gibt er zu. Dass er irgendwann ein Haus, eine „tolle, hübsche Frau“ und ein Kind haben würde, hätte er nicht gedacht. Früher sei er viel umgezogen. Geboren in Hemkenrode bei Braunschweig, hat Bosse in Hamburg, Istanbul und Berlin gelebt. Wenn er an die Orte seiner Kindheit zurückkomme, rieche es noch wie damals. Dann habe er manchmal das Gefühl „ey, die Nachbarin wäscht immer noch mit Perwoll und es riecht irgendwie immer noch so komisch nach Speck, weil gerade Sonntagmittag ist“, erklärt er schmunzelnd.

Der persönlichste Song der neuen Platte sei das Lied „Ich bereue nichts“. Darin liegt Bosse mit 1,2 Promille an der Elbe und hat „einen ganz guten Moment“, wie er sagt. Da habe er gemerkt, dass jeder Umweg in seinem Leben Sinn gemacht habe und er sich gut fühle im Jetzt. Vielleicht deshalb auch der Albumtitel „Alles ist jetzt“; es ist eben die Platte eines Angekommenen. (dpa)

Das Album: Bosse, Alles ist jetzt. Vertigo/Universal

Die Tour: Bosse beginnt die Tour zur Platte zwar am

1.11. in Cottbus, ist aber gleich am 2.11. live im AJZ

Talschock Chemnitz zu erleben. Und das Vorfinale gibt

es dann am 23.8. in der Dresdner „Jungen Garde“.

Karten für dieses Konzert sind bereits in allen SZ-

Treffpunkten sowie unter 0351 48642002 zu haben.

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