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Samstag, 09.02.2008

Einzigartige Anti-Diva

Die Dresdner Kabarettistin Anna Maria Scholz alias Annamateur erhält am Sonntag den Deutschen Kleinkunstspreis.

Von Jennifer Fraczek

Er gilt als Oscar der deutschsprachigen Kabarett-Szene: Alljährlich im Februar trifft sich die Zunft im Mainzer „unterhaus“-Theater zur Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises. An diesem Sonntag wird er zum 36.Mal vergeben.

Für ihre vielseitige Stimme und ihre feinfühligen Texte erhält dabei die unter ihrem Künstlernamen Annamateur bekannte Dresdnerin Anna-Maria Scholz die Auszeichnung in der Kategorie „Chanson, Musik, Lied“. Sie überrasche als „unvergleichliche Antidiva“ und treffe „absolut sicher jeden Ton mitten im Herzen“. 2005 gründete sie die Formation „Annamateur und Außensaiter“, sorgte mit ihrem Programm „Walgesänge“ für Furore, bekam 2006 den Cabinet-Kleinkunstpreis in der Kategorie Musik.

Erstmals wird in diesem Jahr der vom Land Rheinland-Pfalz gestiftete „Ehrenpreis“ vergeben. Die Auszeichnung geht an Kabarett-Altmeister Dieter Hildebrandt für sein Lebenswerk. „Wer, wenn nicht er“, lautet die kurze und knappe Begründung der Jury zur Vergabe des Ehrenpreises an Hildebrandt. Der 80-Jährige hatte den Deutschen Kleinkunstpreis bereits 1977 in der Kategorie Kabarett gewonnen.

Der Essener Hagen Rether bekommt in diesem Jahr die „unterhaus-Glocke“ in dieser Kategorie. Die Jury meint: „Nie hat Desillusionierung so viel Spaß gemacht“. Der klavierspielende Kabarettist nehme mit sanfter Stimme, „beiläufig plaudernd das Weltgeschehen auseinander“.

Horst Evers, der Geschichtenerzähler aus Evershorst, erhält den Preis in der Sparte Kleinkunst für „seine groteske Weltsicht“, mit der es ihm gelinge, die Wirklichkeit auszutricksen. Der Mann mit rotem Cordhemd ist auch Autor des Buches „Gefühltes Wissen“. Der Förderpreis der Stadt Mainz geht an Tobias Mann, der als „komödiantisches Naturereignis“ gilt. Die „unterhaus-Glocke“ wird seit 1972 verliehen und ist eine Nachbildung jener Glocke, die die Vorstellungen im Kabarett „unterhaus“ einläutet. Sie wurde 1971 von dem 2005 verstorbenen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch ins „unterhaus“ gebracht, nachdem sein eigenes Kabarett „arche nova“ sich aufgelöst hatte. Die Preise sind mit je 5000 Euro dotiert. Moderiert wird die Preisverleihung von Dieter Nuhr. Am 16. Februar wird sie auf 3sat ausgestrahlt. (ddp)