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Freitag, 11.05.2018

Ein Mann ohne Grenzen

Per Kirkeby, einer der bedeutendsten Kreativen der Gegenwartskunst, ist tot.

Von Theresa Münch und Thomas Borchert

Per Kirkeby steht im Düsseldorfer Museum Kunstpalast vor seinem Bild „Flucht nach Ägypten“. Er starb am Mittwoch im Alter von 79 Jahren.  Foto: dpa/Federico Gambarini
Per Kirkeby steht im Düsseldorfer Museum Kunstpalast vor seinem Bild „Flucht nach Ägypten“. Er starb am Mittwoch im Alter von 79 Jahren. Foto: dpa/Federico Gambarini

© dpa

Sie nannten ihn Super-Per, den König der dänischen Malerkunst, gar ein grenzenloses Genie. „Ich finde auch, dass ich ein richtig guter Maler bin“, sagte der dänische Multi-Künstler Per Kirkey einmal. Bescheidenheit war nicht seine Stärke, wohl aber, dass er keinen Moment an der Kraft und Vielfalt seiner Kreativität zweifelte. So schafften es Kirkebys Werke aus dem Atelier auf der idyllischen Kattegat-Insel Læsø bis in die Londoner Tate, das Museum of Modern Art in New York und das Centre Pompidou in Paris.

Am Mittwoch ist der Maler im Alter von 79 Jahren gestorben. Er sei friedlich eingeschlafen, sagte seine Familie der Zeitung Politiken. Der Däne begrenzte sich in seinem Wirken nie auf eine einzige Ausdrucksform. Er war Maler, Bildhauer, Grafiker, Dichter, Forscher – und das alles zugleich.

Der 1938 in Kopenhagen als Per Christensen geborene Däne studierte zunächst Geologie und nahm 1962 ein Kunststudium an der Experimental Art School auf. Nach dem Studienabschluss 1966 begann er mit der Arbeit an Backsteinskulpturen, die trotz seiner wahrhaft umfangreichen Produktion als Maler, Bronzeskulpteur, Filmemacher, Lyriker und Prosaist immer ein „Markenzeichen“ geblieben sind. In den 60er-Jahren arbeitete Kirkeby mit deutschen Künstlern wie Joseph Beuys und Jörg Immendorff zusammen und bekannte sich zur 68er-Linken. Zu Beginn der 1970er-Jahre wandte sich Kirkeby von der Pop Art ab und der informellen Malerei zu. Deutschland war lange Zeit Dreh- und Angelpunkt für Kirkebys Schaffen. Erst arbeitete er ab 1978 an der Kunstakademie Karlsruhe und danach von 1989 bis zum Jahr 2000 als Professor an der Städelschule in Frankfurt/Main. Nach einer Hirnblutung mit zeitweise schweren physischen, vor allem aber psychischen Problemen drosselte Kirkeby seine rastlosen Aktivitäten.

Zwar war er später wieder höchst produktiv als Maler und Bildhauer tätig, doch sein Körper machte nicht mehr alles mit wie zuvor. Expeditionen nach Grönland beispielsweise, wo sich der Geologe zuvor gern von der beeindruckenden Natur inspirieren ließ, waren nicht mehr möglich. Zuletzt schrieb er Kunstbücher unter anderem über Pablo Picasso und El Greco.

International ist Kirkeby neben seinen Backsteinfiguren am besten bekannt für abstrakte Malerei im Großformat. Seine Bilder bieten jenseits herkömmlicher Kategorien starke Sinneseindrücke.

Kirkeby wollte Weltklasse sein – und das nicht nur auf einem Gebiet. In Deutschland sind von ihm unter anderem das Stuttgarter „Kirkeby-Monument“ (1987) und eine Kunstmauer vor dem Neubau der Deutschen Bibliothek in Frankfurt/Main (1996) zu sehen. (dpa)

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