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Montag, 30.07.2018

Ein Loblied auf Dresdens Trümmerfrauen

Von Johannes Gerstengabe

Jimmy Kelly singt gern mit aufgerauter Stimme. Foto: Thomas Kretschel
Jimmy Kelly singt gern mit aufgerauter Stimme. Foto: Thomas Kretschel

© kairospress

Überraschungen gibt es bei einem Kelly Family Konzert nicht wirklich. Die sechs Comeback-willigen Geschwister Kathy, Patricia, John, Jimmy, Joey sowie Angelo spielen und singen solide, unterstützt durch weitere unverwandte Musiker. Die Presseankündigung verspricht Pyrotechnik und Konfettiregen. So ist es dann auch am Freitag Abend bei den ausverkauften Filmnächten am Elbufer, ansonsten gibt es viele alte Hits und ein paar neue Songs.

Etwas gewöhnungsbedürftig sind zwischendurch die Ansagen. Zum Beispiel das Eigenlob, sie seien besser als Take That. Das aber ist die Kelly Family, jedenfalls was die Dramaturgie des Abends angeht, nicht. Die meiste Zeit wechseln sie zwischen geraden Rock-Nummern und Balladen hin und her. Hat sich einmal Spannung aufgebaut hat, holt die nächste Ballade den Zuhörer zuverlässig wieder runter. Selbst das Drumsolo des auch in Musikerkreisen sehr anerkannten Schlagzeugers Angelo verpufft, da die von ihm famos ertrommelte Energie sogleich wieder in einer Ballade mündet. Ohnehin wirkt der Abend ein wenig zusammengewürfelt. Von spanischen Tanzliedern über Bryan-Adams-artigen Rock, Gospel, irischen Akustiknummern und eben den immer wieder eingestreuten Balladen präsentieren die Kellys einen Blumenstrauß bunter Melodien. Die haben so wenig miteinander zu tun wie die Stimmen der alternierenden Solisten und -innen. Alle sind sie natürlich individuell gute Sänger. Beeindruckend auch die Qualität der Hintergrundgesänge. Nur Jimmy vermag mit seiner aufgesetzt rauh wirkenden Stimme außerhalb normaler Rocksongs nicht zu fesseln. Er begleitet sich selber mit Gitarre und Mundharmonika bei einer Ballade, deren emotionale Tiefe es nicht in das Stimmtimbre schafft.

Im Glück der Erinnerungen

Emotional wird es hauptsächlich in den Ansagen. Ein Lied ist den Dresdner Trümmerfrauen gewidmet, ein anderes der älteren Generation Dresdens. Es wird sich überhaupt viel bedankt. Und dann wieder eine Ballade. Währenddesen kann man darüber sinnieren, wie wohl das blonde Jürgen-Drews-Double im weißen Anzug heißt. Die Antwort kommt schnell und zuverlässig: natürlich Kelly.

In der Mitte des Konzerts gibt es einen Teil in alter Straßenmusikertradition. Mit Let It Be und Go Down Moses. Als Special Guest kommt der Drehleier spielende Bruder Paul. Es gibt Konfettiregen in den irischen Farben und dazu zündende Pyrotechnik, zwar in perfektem Timing, aber immer an der gleichen musikalischen Stelle und auf immer gleiche Art und Weise. Aber das dramaturgische Konzept der Steigerung scheint bei der „We Got Love“-Tour keine große Rolle zu spielen. Als schönes Gimmick gibt es bei der zweiten Zugabe ein gemeinsames Lied mit den jüngeren Ichs der Geschwister, die zum Livegesang auf der Leinwand und über die Boxen in alten Aufnahmen erscheinen. Die letzte Zugabe ist „Brothers and Sisters“. Danach geht Angelo das Publikum umarmen, während die nicht zur Familie gehörenden Musiker das Lied sehr schön zu Ende spielen.

Aber das Entscheidende an einem solchen Abend ist für die Fans nicht das Musikalische oder gar die Show. Was glücklich macht, sind all die persönlichen Erinnerungen, die von der Musik der Kelly Family heraufbeschworen werden. So glücklich, dass manche vor Rührung weinen, ganz natürlich beleuchtet vom roten Mond über allem. Insofern machen die Kellys mit ihrem Comeback in Dresden alles richtig.

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