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Freitag, 29.12.2017

Die letzten Männer

Ein bisschen Genderwahn bekommt unserer Welt sicherlich ganz gut.

Von Michael Bittner

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© Ronald Bonß

Oft hört man leider von aussterbenden Arten. Fast habe ich mich an diese traurigen Meldungen schon gewöhnt. In jüngster Zeit aber merke ich bei solchen Schreckensnachrichten doch öfter auf, denn es geht nicht mehr wie früher nur um das Sumatra-Nashorn, sondern auch um den gemeinen Mann. Der stehe nämlich ebenfalls vor der Ausrottung, so verkünden es zahllose Artikel, die gerade von verängstigten Männern verfasst werden.

Schuld am Niedergang sei eine mysteriöse Seuche namens „Genderwahn“. Infizierte Männer büßen angeblich ihre Männlichkeit ein, sie fangen an, im Sitzen zu pinkeln und Salat zu essen. Wegen ihrer Verweichlichung sind sie dann nicht mehr in der Lage, ihre Weiber gegen Säbelzahntiger und Südländer zu verteidigen. Erkrankte Frauen empfinden es wiederum neuerdings als sexuelle Belästigung, wenn ihnen ein Fremder zünftig auf den Hintern klatscht. Manche Frau bildet sich plötzlich ein, auf Männer überhaupt verzichten zu können. Und einige menschliche Wesen vergessen im Genderwahn gar, welchem Geschlecht sie angehören! Das geht doch nun wirklich gegen jede Ordnung!

Die Feiertage konnten mich erfreulicherweise beruhigen. Ich schaltete nämlich den Fernseher ein. Als bedeutendstes Sportereignis wurde eine Weltmeisterschaft übertragen, bei der Männer mit Halbglatze und körpereigenem Bierkessel kleine Pfeile auf eine Scheibe warfen, lautstark angefeuert von äußerlich ähnlich veranlagten Geschlechtsgenossen im Vollrausch. Im Nachbarprogramm suchten derweil bärtige Männer in der nordamerikanischen Wildnis nach Gold: „Kann Joe seinen Bagger am Giant Nugget Claim reparieren, bevor der Winter einbricht, um noch die 2 000 Unzen zu schürfen, die er braucht, um seiner Frau die versprochene Brustvergrößerung zu bezahlen?“

Auch den abendlichen Spielfilmen hatte der grassierende Feminismus nichts anhaben können: Ob James Bond, Harry Potter oder Kevin allein zu Haus – überall waren es wie eh und je weiße Jungs, die mit ihren Heldentaten das Universum oder zumindest das Weihnachtsfest retteten. Und in den Nachrichten grüßte aus Washington grinsend ein pampelmusenfarbiger Primat, angeblich gerade von den Bürgern zum mächtigsten Mann der Welt gewählt. Vielleicht bekäme der Erde ein bisschen Genderwahn doch gar nicht so schlecht.

Der Schriftsteller Michael Bittner schreibt hier im Wechsel mit dem Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt.

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Fan

    Sehr süffig geschrieben. Und so treffend. Einen guten Rutsch für alle verängstigten Männer. Von einem zuversichtlichen Geschlechtsgenossen. Wir schaffen das - tut überhaupt nicht weh.

  2. Berg

    Herr Bittner hätte aus naheliegenden Gründen in demselben Sender, der sonst Dartpfeilewerfen überträgt, samstags Nacht einschalten und das dortigen Treiben in seinen Aufsatz mit einbeziehen sollen. Dort wird eindeutig gezeigt, wie das Verhältnis Mann-Frau war, ist und bleiben wird.

  3. Bourgeoisie

    ! welch eine Frechheit !!1!elf!!! - bitte bewegen Sie zukünftig öfter mal ihren Körper durch benachbarte, angrenzende Kieze unserer Hauptstadt. Dort werden Sie ebenfalls auf bärtige Männer treffen, die hart and ihren Keyboards schuften um "Bit-Nuggets" mit Grafikkarten zu schürfen, um sich allabendlich in entsprechenden Lokalitäten Craft-Biere und Pulled-Pork Burger gegen Cryptowährungen einverleiben.

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