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Montag, 08.10.2018

Die letzte große Diva der Opernwelt

Von Emilio Rappold

Große Stimme, große Geste: Montserrat Caballe. Foto: dpa
Große Stimme, große Geste: Montserrat Caballe. Foto: dpa

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Sie wolle auf der Bühne sterben, hatte Montserrat Caballé gesagt. Die Spanierin, die als die letzte große Operndiva galt, tat ihren letzten Atemzug aber in einem Krankenbett in ihrer Geburtsstadt Barcelona, am Sonnabend im Alter von 85 Jahren. Die Sopranistin wurde über die Grenzen ihres Faches hinaus weltberühmt. Sie war ein Mythos. Das Königshaus in Madrid würdigte sie als „Legende der universellen Kultur“. Sie sei „die Beste der Besten“ gewesen.

Gerüchte über ein unmittelbar bevorstehendes Karriereende hatte sie trotz ihres Alters und zunehmender Gesundheitsprobleme bis zuletzt hartnäckig zurückgewiesen. Und den Aussagen hatte sie auch Taten folgen lassen. Erst am 14. April, zwei Tage nach ihrem 85. Geburtstag, trat sie in Kiew mit ihrer Tochter Montserrat Martí auf. Obwohl ihre Stimme nicht mehr die alte war, begeisterte sie auch dort das Publikum. Sitzend allerdings, denn nach einem Sturz vor einigen Jahren konnte sie kaum noch gehen. Sie war meistens auf einen Rollstuhl angewiesen.

Das Leben der María de Montserrat Bibiana Concepción Caballé i Folch erinnert an ein Märchen: Die Eltern des Mädchens verloren im spanischen Bürgerkrieg ihr Hab und Gut. „Wir haben Hunger gelitten“, erzählte Caballé. Sie musste als Näherin zum Familienunterhalt beitragen. Da ihr Talent schon damals zu erkennen war, konnte sie mithilfe von Mäzenen das Konservatorium besuchen und erste Auftritte absolvieren. Mitte der 50er-Jahre zog die Familie als Gastarbeiter in die Schweiz. In Basel feierte die Sängerin 1956 ihr offizielles Debüt. Den internationalen Durchbruch schaffte Caballé 1965 in der Titelrolle von Donizettis „Lucrezia Borgia“ in der Carnegie Hall New York – als Ersatzbesetzung. Sie wurde so begeistert gefeiert, dass die Metropolitan Opera sie engagierte.

Die füllige und für ihr herzhaftes Lachen bekannte Künstlerin war eine Freundin von Maria Callas. Sie war spezialisiert auf Belcanto-Opern von Rossini oder Donizetti und seit den 1990er-Jahren Botschafterin der Unesco. Einen Meilenstein setzte die Sängerin 1992: Mit dem für die Olympischen Spiele in der katalanischen Hauptstadt geschriebenen Song „Barcelona“ wurde sie einem breiten Publikum jenseits der Opernwelt bekannt. Sie hatte das Stück mit Freddie Mercury aufgenommen. (dpa)

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