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Samstag, 06.01.2018

„Die Hebamme“ kommt in die Sächsische Schweiz

Von Thomas Morgenroth

Luca Lehnert (l.) spielt die Hebamme Marthe und Michael Berndt-Canana den Ritter Christian im Historiendrama „Das Geheimnis der Hebamme“.
Luca Lehnert (l.) spielt die Hebamme Marthe und Michael Berndt-Canana den Ritter Christian im Historiendrama „Das Geheimnis der Hebamme“.

© Jürgen Lösel

Wer am Salzfass sitzt, hat die höchste Position, nicht der in der Mitte“, tröstete die Bestsellerautorin Sabine Ebert am Freitagvormittag den Intendanten der Landesbühnen Sachsen, als dieser auf der Holzbank im Stallhof des Dresdner Schlosses ein Stück zur Seite rücken musste. Manuel Schöbel griente geschmeichelt. Den weißen Schatz direkt vor seiner Nase, verkündete der 57-Jährige der Presse dann im überaus passenden Ambiente der Rauhnächte gut gelaunt seinen jüngsten Coup: Die Landesbühnen bringen im Sommer Sabine Eberts mittelalterliche Saga „Das Geheimnis der Hebamme“ auf die Bühne, als erstes Theater überhaupt.

Die Idee dazu hatte Schöbel schon vor Jahren, als er hin und wieder beruflich mit Sabine Ebert zu tun hatte. Als das Buch 2006 erschien, war er Intendant des Mittelsächsischen Theaters in Freiberg, in der Stadt, in der die Geschichte zu großen Teilen spielt und in der die Autorin damals als freie Journalistin lebte und auch über Schöbel und das Theater schrieb. Zunächst aber war das Fernsehen dran. Das Erste verfilmte den Roman als Dreistunden-Epos, allerdings, wie Sabine Ebert bemängelt, mit inhaltlichen Fehlern: „Die historischen Details haben keinen interessiert.“

Nun ist alles besser. Jedenfalls ist die 59-Jährige, die mit dreieinhalb Millionen verkauften Büchern zu den erfolgreichsten deutschen Schriftstellerinnen gehört, mit der vorliegenden Textfassung von Odette Bereska „hochzufrieden“. „Die Schwierigkeit“, erklärte die jetzt in Leipzig lebende Autorin, „lag darin, 650 Buchseiten auf ein Zehntel einzudampfen, ohne dass dabei die Geschichte verloren geht.“

„Das ist fraglos gelungen“, lobte Schöbel, der das Stück auch selbst inszenieren wird als zweistündiges opulentes Freilichtspektakel auf der Felsenbühne Rathen; die Uraufführung ist am 8. Juni. Ausstatter Stefan Wiel will mit wechselnden Bildern aus der Naturbühne einen Kunstraum machen, in dem mehr als sechzig Menschen spielen – Schauspieler, Kaskadeure und Komparsen. Darunter befinden sich Mitglieder der Interessengemeinschaft „Mark Meißen 1200“, die Schöbel ins Boot geholt hat, damit es auch bei den Kostümen historisch korrekt zugeht.

Gastspiele sind auf der Albrechtsburg in Meißen geplant, die zu den Schauplätzen der Geschichte um die Hebamme Marthe und den Ritter Christian gehört. Diese beginnt 1167 in Franken, als sich eine Gruppe von Siedlern auf den Weg in das Erzgebirge macht, um im damals Miriquidi genannten Urwald einen Ort zu gründen. Als dort Silber gefunden wird, ist es mit der Beschaulichkeit vorbei. Aus Christiansdorf wird die Stadt Freiberg, unter der nicht nur Bergleute nach dem Edelmetall schürfen.

Michael Berndt-Cananá wird als Ritter Christian allerlei zwielichtigen Gestalten das Handwerk legen. Das tut er ab Mai zudem auch wieder als Häuptling der Apachen in dem erfolgreichen Abenteuerstück „Winnetou I“. Als Marthe hat Schöbel die 26-jährige Luca Lehnert besetzt. Die Berlinerin ist neu im Ensemble der Landesbühnen und freut sich auf ihre erste große Rolle: „Das ist ganz schön aufregend.“

Das findet irgendwie auch der Intendant und strahlt vor seinem Salzfass in die Runde. Schöbel glaubt an den Erfolg seiner Inszenierung. Aber weiter will er nicht planen. Ob es auch die vier Fortsetzungen der „Hebamme“ auf die Bühne schaffen werden, ist derzeit also noch völlig offen.

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