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Mittwoch, 11.07.2018

Der sensible Despot

Von Oliver Reinhard

Wie sehr er das Kino geprägt hat, macht dies vielleicht besonders deutlich: Selbst in der von ihrer eigenen Großartigkeit sehr überzeugten französischen Filmbranche bestreitet niemand, dass sie ohne den Einfluss eines Ausländers kaum geworden wäre, was sie war und ist. Auch für die deutsche Regisseurin Margarethe von Trotta wurde Ingmar Bergmans Werk „Das siebte Siegel“ zum Erweckungserlebnis, nach dem sie beschloss, selbst Filme zu machen. Nun, kurz vorm 100. Geburtstag des 2007 gestorbenen Schweden, spürt sie dem Vorbild nach: „Auf der Suche nach Ingmar Berman“ heißt ihr Dokfilm.

Bergman gilt als einer der ersten Autorenfilmer Europas. Dank „Szenen einer Ehe“ und „Fanny und Alexander“ war er seit den Siebzigern weltberühmt. Trotta nähert sich ihm an in Interviews mit Schauspielern wie Liv Ullmann und Gaby Dohm sowie Regisseuren wie Olivier Assayas und Carlos Saura. Aus deren Erinnerungen schält sich heraus, wie Bergman gearbeitet und was das Besondere an seinem Wirken hinter der Kamera ausgemacht hat, das immer auf eine große Tragik hinauslief, auf Einsamkeit, Sinnsuche, Seelenschmerz.

Je länger das Entblättern dauert, umso intensiver wird der Film. Zu den Schauspielern zärtlich und verständnisvoll, war Bergman gegenüber dem Team oft ein Tyrann. Einer, der laut seinen Söhnen nicht die Fähigkeit entwickeln konnte, richtig zu lieben, weder sie noch seine Frauen. Einer, der an seiner Schwäche litt, vor allem, weil er meinte, stark sein zu müssen. Zwar ist Trotta sehr häufig selbst im Bild und redet gelegentlich mehr über Bergman als die von ihr Befragten. Doch womöglich liegt es gerade an ihrem Mut zum Wissenslücken-Lassen: Diese Annäherungs-Doku macht regelrecht süchtig nach Bergman-Filmen.

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