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Samstag, 14.04.2018

Der Erpresser muss dran glauben

In der Krimikomödie „Alle Mörder sind schon da“ gibt es nicht nur zum Dessert eine Leiche. Jeder verdächtigt jeden.

Von Rainer Kasselt

Alle haben hier etwas zu verbergen, auch die offenherzige Bedienung: Wadsworth (Tim Curry), Mr. Boddy (Lee Ving) und das Dienstmädchen Yvette (Colleen Camp).
Alle haben hier etwas zu verbergen, auch die offenherzige Bedienung: Wadsworth (Tim Curry), Mr. Boddy (Lee Ving) und das Dienstmädchen Yvette (Colleen Camp).

© © 2002 by Paramount Pictures/Al

Sechs Personen erhalten eine rätselhafte Einladung in ein abgelegenes Landhaus. Butler Wadsworth beharrt darauf, dass sich die noblen Gäste mit Decknamen ansprechen. Doch keiner hält sich daran. Während beim Dinner alle auf den mysteriösen Gastgeber warten, taucht ein siebenter Gast auf. Ein bulliger Typ namens Mr. Boddy. Er entpuppt sich als Erpresser, der die versammelten Herrschaften seit Jahr und Tag zur Kasse bittet. Sie alle haben etwas zu verbergen, leben in Washington und sind mit der Regierung verbandelt. Plötzlich geht das Licht aus, und Mr. Boddy liegt tot am Boden. Einer muss der Täter sein.

Die amerikanische Krimikomödie „Alle Mörder sind schon da“ von 1985 ist ein kurzweiliger Kinospaß, der nach dem Brettspiel „Cluedo“ entstand. Ein Fressen für Schauspieler, Vollblutkomödianten allesamt. Regisseur Jonathan Lynn zieht sämtliche Slapstick-Register des Genres. Die Dialoge sind witzig und die Figuren voller Macken. Psychiater Prof. Plum ist die perfekte Parodie auf einen Sexomanen, der an keiner Frau vorbeikommt, ohne ihr in den Ausschnitt zu starren. Mrs. White macht ihrem Ruf als schwarze Witwe alle Ehre, ein halbes Dutzend Ehemänner hat sie geräuschlos entsorgt, jetzt wirft sie ein Auge auf den Butler. Colonel Mustard hat beste Verbindungen zur Rüstungsindustrie und verscherbelt Waffen meistbietend in alle Welt. Miss Scarlet betreibt ein illegales Bordell, hat die anwesenden Herren auf ihrer Kundenliste und lässt sich ihr Schweigen gut bezahlen. Mr. Green ist homosexuell, was ihn 1954, wo der Film spielt, seinen Job im Außenministerium gekostet hätte. Senatorengattin Mrs. Peacock zieht Schmiergelder magisch an und fällt von allen Damen am besten in Ohnmacht.

In der Komödie gibt es nicht nur zum Dessert eine Leiche. Jeder verdächtigt jeden, und nach sechs Toten ruft der Colonel: „Jetzt wird es bedenklich.“ Der Clou des Films: Er hat drei Schlüsse. In jedem ist ein anderer Gast der Mörder. Agatha Christie hätte ihre Freude dran.

„Alle Mörder sind schon da“, Sonntag, 20.15 Uhr, Arte

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