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Mittwoch, 19.09.2018

Dem Cursor auf der Todesspur

Von Martin Schwickert

In Anbetracht der Tatsache, dass immer mehr Menschen immer mehr Lebenszeit vor einem Computerbildschirm verbringen, ist die Idee, einen Kinofilm komplett im Display-Modus zu erzählen, ein durchaus zeitgemäßes Vorhaben.

Aneesh Chagantys Thriller „The Searching“ wird fast ausschließlich auf einer Windows-Oberfläche inszeniert, und das ist eine überaus spannende Angelegenheit. Im Vorspann klickt sich der Cursor durch Bild- und Video-Ordner, und vor uns entfaltet sich die Geschichte einer jungen koreanisch-amerikanischen Familie, die sich von der Geburt der Tochter Margot bis zur tödlichen Krebserkrankung der Mutter spannt.

Überraschende Wendungen

Mittlerweile ist Margot (Michelle La) sechzehn und scheint mit ihrem Vater David (John Cho) in restfamiliärer Harmonie zu leben. Aber dann kehrt Margot eines Nachts nicht vom Treffen zurück. David meldet die Tochter bei der Polizei als vermisst und loggt sich in Margots Computer ein. Je tiefer sich der Vater durch Facebook-Accounts, E-Mail-Postfächer und abgespeicherte Selfie-Videos klickt, desto klarer wird ihm, wie wenig er eigentlich von seiner Tochter weiß.

Im Grunde folgt Regisseur Chaganty einem klassischen Erzählmuster, wie es etwa Alfred Hitchcock in „Das Fenster zum Hof“ entwickelt hat. Aber während James Stewart seinerzeit nur der Blick aus dem Fenster blieb, sind es in „The Searching“ eine Vielzahl von Fenstern, die sich auf der Bildschirmoberfläche öffnen. Dass sich die Idee über eine ganze Spielfilmlänge nicht leerläuft, liegt an dem klug konstruierten Drehbuch, das mit überraschenden Wendungen eine sogartige Dynamik entwickelt. „Searching“ ist ein kleiner, feiner Genrefilm, der durch sein ebenso originelles wie klares Konzept überzeugt.

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