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Freitag, 18.05.2018

David gegen Goliath

Sich stets als der vermeintlich Schwächere zu inszenieren, bringt viele mediale Vorteile.

Von Michael Bittner

SZ-Kolumnist Michael Bittner
SZ-Kolumnist Michael Bittner

© Ronald Bonß

In Zeiten, in denen die elektronischen Massenmedien jede Sensation in wenigen Augenblicken auf der ganzen Erde verbreiten, wird jeder Krieg zum Medienkrieg. Im Kampf um die Meinung der Weltöffentlichkeit versuchen alle Parteien, sich selbst als Opfer und den Feind als Verbrecher erscheinen zu lassen. Sie nutzen eine eigentlich liebenswerte Eigenschaft der menschlichen Seele, nämlich unsere Neigung, angesichts eines Kampfes, an dem wir selbst nicht beteiligt sind, mit dem Schwächeren zu fühlen. So kommt es immer öfter zu seltsamen Bildern: Während früher Kriegsparteien mit ihrer Stärke protzten, zeigen sie heute oft Schwäche, um Außenstehende zum Eingreifen zu bewegen.

Auf den David-gegen-Goliath-Effekt setzen nicht nur, aber vor allem Nationen und Bewegungen, die nicht die Kraft haben, sich auf dem Schlachtfeld durchzusetzen. Durch passiven Widerstand oder provozierende Gewalt zwingen sie den Feind dazu, seine Stärke zu zeigen. Sie schieben Zivilisten nach vorn an die Front, um deren Leiden als Beweis für die Schlechtigkeit des Gegners vor Kameras zu präsentieren. Und nichts weckt das Mitleid besser als tote Kinder.

Mit besonderer Finesse bedienen sich solcher Taktiken seit Jahrzehnten die Feinde Israels. Als der jüdische Staat durch einen Beschluss der Vereinten Nationen gegründet und prompt von seinen arabischen Nachbarn angegriffen wurde, war die Sympathie der Welt noch überwiegend auf der Seite des kleinen jüdischen Staates. Darum erfanden die Araber bald die vorher unbekannte Zwergnation der „Palästinenser“, um die Rollen von David und Goliath zu tauschen. Das erblühende Israel wurde zum Sündenbock, auf den die korrupten, fanatischen und unfähigen Herrscher der muslimischen Welt bis heute die Schuld für ihr eigenes Versagen laden. Für die Diktatoren, die Israel mit der Vernichtung drohen, ist ihr liebstes Feindbild in Wahrheit unverzichtbar. Hier liegt der wahre Grund dafür, dass es im Nahen Osten keinen Frieden geben wird.

Seit Jahrzehnten erziehen die Feinde Israels Kinder zum Hass und jagen sie als vermeintliche „Märtyrer“ in einen sinnlosen Tod. Die Hamas wird Israel vermutlich demnächst mit palästinensischen Säuglingen beschießen, um zu beweisen, was für schlimme „Kindermörder“ die Juden sind.