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Donnerstag, 08.03.2018

Das königliche Rot der Läuse

Veroneses Farben forderten die Restauratoren heraus. Jetzt leuchten sie wieder im Cuccina-Zyklus in der Dresdner Gemäldegalerie.

Von Birgit Grimm

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Je vier Meter breit sind die Gemälde des Cuccina-Zyklus, den Veronese 1571 malte. Dieser Ausschnitt aus „Die Madonna der Familie Cuccina“ zeigt Zuanna Cuccina im roten Samtkleid. Veronese gewann den kostbaren Cochenillelack auch aus Stoffresten.
Je vier Meter breit sind die Gemälde des Cuccina-Zyklus, den Veronese 1571 malte. Dieser Ausschnitt aus „Die Madonna der Familie Cuccina“ zeigt Zuanna Cuccina im roten Samtkleid. Veronese gewann den kostbaren Cochenillelack auch aus Stoffresten.

© SKD; Foto: H. Boswank

Veronese war ein großartiger Erzähler. Doch die Lebendigkeit seines Cuccina-Zyklus und die Farbenpracht dieser vier Großformate waren unter Retuschen, Übermalungen und vergilbendem Firnis der Jahrhunderte gefesselt. Seit der im 16. Jahrhundert gemalte Zyklus 1746 nach Dresden gekommen war, hatte man ihn immer ausgestellt.

Seit 2013 nun arbeiteten Restauratoren in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister daran, die Schönheit von Veroneses Malerei wieder hervorzuholen, Malschichten zu festigen. Dabei untersuchten sie auch die Farben und nahmen die Maltechnik des venezianischen Meisters Millimeter für Millimeter unter die Lupe. Nicht nur wegen der zu bearbeitenden Bildfläche von 33 Quadratmetern – hinzu kommen 53 Meter goldene Rahmen – war das eine komplexe Aufgabe. Das Werk ist vollbracht, Veroneses Cuccina-Zyklus in der Dresdner Gemäldegalerie im Ausstellungsformat „Das restaurierte Meisterwerk“ zu bewundern.

Paolo Caliari, wie Veronese mit bürgerlichem Namen hieß, malte mit instabilen Pigmenten. Grund- und Malschichten mussten gefestigt werden. Grün und Blau wurden im Lauf der Zeit dunkel und dunkler, zu Braun und Schwarz. Die Restauratoren interessierten sich auch für das königliche, das Karmesinrot, das Veronese verschwenderisch einsetzte. Es wird aus der Karminsäure weiblicher Cochenilleschildläuse gewonnen. Die bewohnen in Mexiko Kakteen. In der Renaissance war Cochenille nach Gold und Silber das Kostbarste, womit man handeln, Stoffe färben, Bilder malen konnte. Veronese saß an der Quelle: Die Familie Cuccina, für deren Palazzo am Canale Grande der Künstler die in Dresden beheimateten vier Großformate malte, war im Wolltuchgeschäft erfolgreich. Zuanna Cuccinas Vater hatte in Venedig das Monopol für den Handel mit Cochenille.

Die Ausstellung erzählt mithilfe interaktiver Medienstationen von den jüngsten Restaurierungen, von der Maltechnik des venezianischen Meisters und von der Herstellung von Rot, Grün und Blau, deren Brillanz im Cuccina-Zyklus nun wieder erlebbar ist. Zudem sind die beiden einzigen erhalten gebliebenen Vorzeichnungen zu sehen. Historische Porträts, Kleider und Stoffe aus der Dresdner Rüstkammer ergänzen diese unterhaltsam-lehrreiche Schau und machen neugierig auf die komplett sanierte Sempergalerie im Jahr 2019.

„Veronese. Der Cuccina-Zyklus“, 9. März bis 3. Juni in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister, Deutscher Pavillon; geöffnet Di – So, 10 – 18 Uhr; Katalog: 24 Euro.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Drittetreppelinks

    Es ist stets eine Offenbarung zu erwarten, wenn die Galerie mal von ihrem Dogma der Bewahrung der vergilbten Firnisse abrückt. Größte Hochachtung also! Hoffentlich findet sich bis zur Neueröffnung auch ein adäquates Beleuchtungskonzept für die Ausstellungsräume (nach den desaströsen Versuchen zuletzt).

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