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Donnerstag, 21.09.2006

Bundestag vermittelt im Brückenstreit

Waldschlößchen. Der Kulturausschuss will alle Beteiligten an einen Tisch bringen.

Von Sven Siebert,Berlin

Der Bundestag will im Streit um die Dresdner Waldschlößchenbrücke vermitteln. „Wir wollen versuchen, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen“, sagte der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, Hans-Joachim Otto (FDP), der SZ gestern nach einer Sitzung des Gremiums.

Er selbst werde heute den Präsidenten der Unesco Deutschland, Walter Hirche, anrufen, kündigte Otto an. Zudem wolle der Ausschuss Vertreter Dresdens einladen, die die verschiedenen Positionen in der Stadt repräsentierten.Es sei im Interesse Deutschlands, dass der Streit zwischen der Unesco und der Stadt Dresden um den Bau der Waldschlößchenbrücke im Dresdner Elbtal einvernehmlich gelöst werde. „Wenn die Sache schiefgeht, hat das nicht nur für Dresden negative Folgen“, sagte Otto.

Zehn weitere deutsche Städte – darunter allein vier aus Sachsen – bewerben sich nach Informationen des Kulturausschusses bei der Unesco um den Status des Weltkulturerbes. „Wenn mit Dresden eine Stadt aus der Weltkulturerbe-Liste herausfiele, wäre das nicht gut für Deutschland“, sagte der Ausschussvorsitzende. Es sei daher nicht angeraten, „jetzt auf den Tisch zu hauen“.

Kritik an der Unesco

Otto kritisierte zugleich das Vorgehen der Unesco, die Dresden im Fall des Brückenbaus mit der Aberkennung des Kulturerbe-Status droht. „Aufseiten der Unesco ist einiges schiefgelaufen“, sagte Otto. Es sei, „freundlich gesagt, sehr unglücklich“, dass die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur der Stadt Dresden nach gegenwärtigem Stand nur eine Alles-oder-Nichts-Entscheidung gelassen habe.

Der Kulturausschuss hatte gestern den Dresdner Brückenstreit zum Schwerpunktthema seiner Sitzung gemacht. Es sei deutlich geworden, „dass bei allen Mitgliedern der Wunsch besteht, einen Weg zu finden, auf dem der Status erhalten werden kann“, berichtete Otto.

Einige Mitglieder des Ausschusses von Linkspartei und Grünen wollen die Situation in Dresden morgen selbst in Augenschein nehmen. Das Präsidium des Bundes tages hatte der VizepräsidentinKatrin Göring-Eckardt gesternallerdings eine Rüge ausgesprochen, weil die Grünen-Politikern als Mitinitiatorin den Dresden-Besuch auf einen Termin während einer Bundestagssitzung gelegt hatte.