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Donnerstag, 08.11.2018

Brauhaus statt Bauhaus

Feine Sahne Fischfilet spielten nun im robusten Backsteinbau der Alten Brauerei in Dessau. Die Debatte um die Ausllandung der Band geht weiter.

Von Dörthe Hein

Die Punkband Feine Sahne Fischfilet mit Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow (l.) trat am Dienstag in der Alten Brauerei in Dessau auf, begleitet von Demonstrationen in der Stadt.
Die Punkband Feine Sahne Fischfilet mit Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow (l.) trat am Dienstag in der Alten Brauerei in Dessau auf, begleitet von Demonstrationen in der Stadt.

© dpa/Hendrik Schmidt

Trotz einer Absage der Stiftung Bauhaus hat die linke Punkband Feine Sahne Fischfilet in Dessau ein Konzert gegeben. In der Alten Brauerei feierten Hunderte Besucher am Dienstagabend ausgelassen mit den Musikern. Sänger Jan „Monchi“ Gorkow sagte, auf diese Weise könnten sie nicht nur vor 120 Menschen spielen, wie es auf der Bauhausbühne möglich gewesen wäre, sondern vor sechsmal so vielen. Er dankte allen, die gegen Rechts Position beziehen und nicht einknicken. Gorkow war zuvor überraschend bei einer Demonstration gegen Rechts und für Kunstfreiheit in Dessau aufgetaucht. Die politische Debatte über den Umgang des Bauhauses mit der Band geht unterdessen weiter.

Vor rund drei Wochen hatte die Stiftung Bauhaus Dessau unter Verweis auf ihr Hausrecht die Absage eines geplanten ZDF-Konzerts auf der historischen Bauhaus-Bühne gefordert. Sie argumentierte, die Design- und Architekturschule als Unesco-Welterbestätte solle kein Austragungsort politischer Agitation und Aggression werden. Direktorin Claudia Perren befürchtete Demonstrationen vor der Tür. Rechte Gruppierungen hatten in sozialen Netzwerken gegen das Konzert mobil gemacht.

Die linke Punkband Feine Sahne Fischfilet war vor einigen Jahren wegen Gewaltaufrufen gegen Polizisten im Verfassungsschutzbericht von Mecklenburg-Vorpommern genannt worden.

Mittwoch wollte der Stiftungsrat des Bauhauses Dessau tagen. Die Grünen-Landtagsfraktionschefin Cornelia Lüddemann, die eine von drei Vertretern des Landes im Stiftungsrat ist, forderte weiter Aufklärung über die Hintergründe der Entscheidung des Bauhauses, das Konzert im eigenen Haus zu untersagen. Der Stiftungsratsvorsitzende und Kulturminister Rainer Robra (CDU) hatte im Landtag gesagt, die Bauhaus-Direktorin habe ihn zuvor um Rat gefragt und dann entschieden.

Kurz vor dem Konzert am Dienstagabend war eine aus dem rechten Spektrum angemeldete Demonstration gegen den Auftritt abgesagt worden. Gorkow reagierte mit einem „hammergeil“ auf die Nachricht. Er dankte den Dessauern und den Menschen aus der Region für ihr Engagement. „Für uns war schon klar, dass wir heute natürlich nicht in Berlin spielen wollen, sondern dass es richtig ist, in Dessau zu sein.“ Nach der Absage am Bauhaus Dessau hatten andere Bauhaus-Standorte und Theater die Band eingeladen. Gorkow betonte, es sei wichtig, „den Nazis zu zeigen, dass man nicht vor ihnen einknickt“.

Zum Konzert kamen mehrere Politiker der Grünen und Linken, etwa der Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin und Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert. Trittin sagte mit Blick auf die Konzertabsage: „Wer die Tradition des Bauhauses ernst nimmt, kann das nicht machen.“ Das ZDF zeichnete das Konzert auf und will es am 1. Dezember auf 3sat ausstrahlen.

Der ehemalige Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt kritisierte auf einer Kundgebung am Nachmittag vor rund 200 Menschen die Verantwortlichen scharf: „Die Absage des Konzertes hat die Demokratie und das kulturelle Leben in unserem Land beschädigt. Aber nicht nur das: Es hat ein jahrzehntelanges Bemühen von Tausenden von Menschen, das Bauhaus in Dessau auch zu einem Ort einer Aktualisierung der Bauhausidee zu machen, schweren Schaden zugefügt.“ Dafür müssten sich Bauhaus-Chefin Perren und der Stiftungsratsvorsitzende und Kulturminister Rainer Robra (CDU) entschuldigen.

Falls Feine Sahne Fischfilet mit dem Konzert in Dessau Gewinn gemacht haben, wollen sie das Geld dem Bündnis Dessau Nazifrei geben.