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Samstag, 20.10.2018

Blumen fürs Horn

Von Karsten Blüthgen

Wer am Donnerstag im Theater Bautzen auf ein Posthorn wartete, wartete vergeblich. Zwar sah es Mozart in seiner Posthorn-Serenade KV 320 vor, jedoch nur in einem Satz, und dieser zählte zu jenen, die für eine ouvertürenartig handliche Sinfonie gestrichen wurden. Das Publikum folgte dem schwungvollen Auftakt der Neuen Lausitzer Philharmonie unter Leitung ihres Ersten Kapellmeisters Ulrich Kern aufmerksam, quittierte das rasche Ende jedoch mit verzögertem Applaus. Wo blieb das Posthorn?

Es schwieg, war nicht einmal da – stattdessen trat für das folgende Mozart’sche Hornkonzert Es-Dur KV 417 einer der versiertesten jungen Solisten mit seinem modernen, blitzblanken Ventilinstrument aufs Podium. Tillman Höfs, 1996 in Hamburg geboren, sorgte mit seinem Auftritt beim Deutschen Musikwettbewerb 2017 dafür, dass der Preis nach 33 Jahren wieder an einen Hornisten ging. Seine Debüt-CD erschien soeben beim Leipziger Label Genuin. Vielseitigkeit zeigte Höfs hier mit Mozart. An der Seite der sensibel begleitenden Lausitzer Philharmoniker sprudelte die Musik lebendig, ohne grell aufzutrumpfen. Da war ein befreit schwingender, dennoch verbindlicher Mozart zu hören.

Blumen zu empfangen, ist für Höfs inzwischen Routine und Tillman Höfs weiß, wohin er, sein Instrument unterm Arm, den Strauß am praktischsten stecken kann. Sein Blumenhorn erheiterte das Bautzener Publikum sehr. Rasch aber zog der Gefeierte seinen Strauß wieder heraus. Marin Marais’ Bearbeitung eines altfranzösischen Tanzes entpuppte sich als heiter hüpfende musikalische Zugabe.

Der Sinfonie-Platz nach der Pause gehörte dem Finnen Sibelius. Patriotismus und die Atmosphäre heimischer Seen und Wälder vermittle seine Musik, die folgerichtig von nordischer Rauheit sei – so eines der gängigen Klischees über den Komponisten von „Finlandia“. Doch Jean Sibelius, der eigentlich Janne heißt und sich später den französischen Vornamen gab, dachte und komponierte in räumlich und zeitlich weit größeren Dimensionen.

Mit Optimismus und Vitalität

In der zweiten seiner sieben Sinfonien zeigt sich der Kosmopolit mit Geschichtsbewusstsein besonders deutlich. Die Zweite Sinfonie, komponiert vor allem unter der Wintersonne bei Genua, versprüht in ihren prägnanten Themen Optimismus und Vitalität. Ulrich Kern brachte das Werk konturenscharf zu Gehör, ließ das Blech strahlen und die Bässe pochen. Das ultimative Gefühl von Weite des Opus 43 lässt sich mit einem so schlank besetzten Orchester und in Theaterakustik nicht generieren – ein Problem, mit dem die Lausitzer leben müssen. Der Beifall und das Stampfen des Publikums im ausverkauften Saal war ein klares Zeichen. Mehr von dieser frischen Farbigkeit!

Wieder in den Theatern Görlitz (23.10.) und Zittau

(26.10.) sowie in der Lausitzhalle Hoyerswerda (24.10.),

jeweils ab 19:30 Uhr

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