erweiterte Suche
Donnerstag, 09.08.2018

Auge in Auge mit den Großen

Von Wera Engelhardt

Gerd Ruge im russischen Winter auf dem Roten Platz in Moskau. Foto: dpa
Gerd Ruge im russischen Winter auf dem Roten Platz in Moskau. Foto: dpa

© dpa

Adenauer, Chruschtschow, Gorbatschow – es gibt nur wenige bedeutende Staatsmänner des 20. Jahrhunderts, die Gerd Ruge nicht getroffen hat. Da gab es zweifellos auch weniger angenehme Gespräche. Abgeschreckt hat den Reporter das nicht. „Mir war es einfach zu wichtig, mir selbst eine Meinung zu bilden. Umso besser kann man die Weltlage beurteilen“, sagte Ruge einst in einem Interview.

Über viele Jahrzehnte ist der in Hamburg geborene Reporter durch die Welt gereist. Er berichtete als ARD-Korrespondent in Washington über die Kuba-Krise und aus Moskau über den Putschversuch gegen den Staatspräsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow. Dabei Ruhe zu bewahren, sorgfältig zu recherchieren, Informationen zu überprüfen – das zeichnete den Auslandskorrespondenten aus. Qualitäten, die aus Ruges Sicht heute bedeutsamer sind denn je. „In dieser Periode weltpolitischer Krisen, die von Umbrüchen und Unsicherheit geprägt ist, erscheint mir die Rolle einer unabhängigen journalistischen Berichterstattung als besonders wichtig“, sagte Ruge kurz vor seinem 90. Geburtstag am 9. August. Dabei hob er die Möglichkeiten hervor, die ihm der öffentlich-rechtliche Rundfunk eröffnet habe.

In seinen Reisereportagen brachte er dem Fernsehpublikum ferne Länder näher. In der Reihe „Gerd Ruge unterwegs“ erzählte er einem Millionenpublikum Geschichten aus Afghanistan, China, Sibirien. „Es gibt nur wenige, die das Fernsehen so geprägt haben wie Gerd Ruge. Er hat mehreren Generationen von Zuschauern mit seinen Reportagen einen ganz besonderen Zugang zu anderen Ländern ermöglicht“, sagte WDR-Intendant Tom Buhrow. „In seinen Filmen redete er mit den Menschen stets auf Augenhöhe, mit viel Respekt und ohne Eitelkeit.“

Als 16-jähriger Soldat überlebte Ruge mit Glück die Endphase des Zweiten Weltkriegs. 1956 ging er nach Moskau, 1962 in die USA, wo er über die Morde an den Brüdern Kennedy und Martin Luther King berichtete. 1972 ging er für die Tageszeitung Die Welt nach China, 1977 wieder für die ARD nach Moskau. Von 1981 an moderierte er das Polit-Magazin „Monitor“, 1984/85 war er WDR-Chefredakteur. 1987 zog es ihn noch einmal nach Moskau.

Heute lebt Ruge mit seiner Frau in München. Um das Fernsehpublikum noch einmal an seinen Reisen teilhaben zu lassen, sendet der WDR eine Nacht lang Reportagen und Dokumentationen des Journalisten – vom späten Donnerstagabend bis in den frühen Freitagmorgen. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Ihr Kommentar zum Artikel

    Bitte füllen Sie alle Felder aus.

    Verbleibende Zeichen: 1000
    Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein
    Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Datenschutz.