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Donnerstag, 14.06.2018

Antigone für alle

Von Sebastian Thiele

Melanie Haupt und Bodo Wartke sind in Dresden zu Gast.
Melanie Haupt und Bodo Wartke sind in Dresden zu Gast.

© Hoersch & Frohriep

Komiker, Kabarettist oder Comedian? Sich selbst betitelt Bodo Wartke als Klavierkabarettist mit Reimkultur. Für seine fluffig-charmanten Nummern heimste der lausbübische Hamburger bereits einige Preise ein und ist mit allen Unterhaltungs-Wassern gewaschen. 2009 machte er sich auch mit der Adaption von „König Ödipus“ einen Namen. Jetzt steht dessen Tochter „Antigone“ im Rampenlicht: verreimt und poppig aufgepeppt. Damit ist Wartke mit seiner Kollegin Melanie Haupt zu Gast im Dresdner Schauspielhaus, mit drei Vorstellungen – am Donnerstag noch einmal.

Links ein schwarzer Klavierflügel, rechts eine weiße Treppe, die zu einem schlichten Thron führt. Bevor die beiden Kabarettisten „Antigone“, diese 2  500 Jahre alte griechische Tragödie, verhandeln, holen sie weiter aus. Mit der Vorgeschichte, dem Fluch der Labdakiden beginnen sie. Fast die Hälfte des Abends nehmen diese Mythen um Ödipus, Kreon, Polyneikes und Eteokles ein, die um die Stadt Theben kreisen. So teilen sich Melanie Haupt und Bodo Wartke 20 Rollen unter der Regie von Sven Schütze. Mal wird der Reimcocktail paar- und kreuzweise gerührt, mal geschüttelt. Rap und Gesang lockern zudem das komisch-tragische Gemisch, das abwechslungsreich ist und auch spritzig sein kann. Auf eine Materialschlacht wird verzichtet, pur steht die Leistung der Darsteller im Fokus. Besonders, wenn mit Klavier, Ukulele, Mundharmonika oder Cajon kurze Songs erklingen, ist das Unterhaltungsniveau am höchsten. Denn mögen auch die unzähligen Rollenwechsel mit Brille auf, Brille ab oder Basecap-Dreh um 180 Grad heiter sein, der Wortwitz fliegt oft flach über die Bühne. Reime wie „Dieser verfluchte Fluch ist für mich ein rotes Tuch“, „ Apoll, jawoll, ah toll“ oder „Schaf-Tablette“ schweben nicht gerade vom Olymp des Wortwitzes.

Als in der zweiten Hälfte dann Antigone König Kreon die Stirn bietet, indem sie das Bestattungsverbot ihres Bruders missachtet, kühlt das Persiflage-Feuer etwas ab. So auch das Spiel. Spätestens, wenn Antigone ganz trotzig sein will und Kreon vollkommen starrsinnig, gelangt die Kleinkunst auf der großen Bühne an ihre Grenzen. Aber mit Matrix-, Star-Wars- oder Herr-der-Ringe-Zitaten landen die Darsteller immer wieder Lachsalven-sicher beim Publikum. Erstaunlich, dass Regisseur Schütze nicht stärker auf einen Liederabend mit dialogischem Rahmen gesetzt hat. Wartkes Mimik ist zwar stets abrufbereit, doch körperlich agiert er eben nicht wie ein Schauspieler. Da übertrumpft Melanie Haupt ihren Kollegen auch gelegentlich, wenn sie mit vollem Einsatz trottelige Wächterfiguren oder das lüsterne Orakel von Delphi spielt.

Wartkes „Antigone“ bietet einen leichtfüßigen Sommertheater-Zugang, der trotz Biergartenwetters auch indoor die Kassen im Dresdner Staatsschauspiel klingeln lässt. Fans kommen auf ihre Kosten, aber weniger Kalauer wäre manchmal mehr Theater-Kabarett. Weniger Plattitüde fördert mindestens gleich viel Heiterkeit.

„Antigone“ ist noch einmal am Donnerstag um 20 Uhr im Staatsschauspiel Dresden zu sehen. Kartentelefon: 0351 4913555

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