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Montag, 11.06.2018 Der Krimi am Sonntag

Angst ist ihr Treibstoff

In Dunkel-Rostock werden Täter zu Opfern, und ein Syrer macht rechtspopulistisch Karriere.

Von Birgit Grimm

Ist Karim Jandali (Atheer Adel, M.) nur sehr ehrgeizig, oder hat er etwa seine Chefin ermordet? Die Kommissare Bukow (Charly Hübner) und König (Anneke Kim Sarnau) nehmen eine Speichelprobe.
Ist Karim Jandali (Atheer Adel, M.) nur sehr ehrgeizig, oder hat er etwa seine Chefin ermordet? Die Kommissare Bukow (Charly Hübner) und König (Anneke Kim Sarnau) nehmen eine Speichelprobe.

© NDR/Christine Schroeder

Wird politische Bildung jetzt das Markenzeichen der Sonntagskrimis? Kurz vor der Sommerpause war es gleich dreifach düster: Erst braune Bio-Bauern im Schwarzwald, dann „Freiländer“ in Bayern und nun auch noch in Rostock eine ermordete P.F.S.-Politikerin. Die sieht Alice Weidel von der AfD so ähnlich, dass die Filmemacher die fiktive P.F.S., die für Sicherheit sorgen will, indem sie Ängste schürt, auch gleich beim richtigen Namen nennen könnten. Aber schon am Sonntag zuvor waren die Reichsbürger ja keine Reichsbürger. Haben die Verantwortlichen bei der ARD Angst vor der eigenen Zivilcourage? Sind diese frei erfundenen Storys nicht von der Kunstfreiheit gedeckt?

Diese Geschichte von Rache und Angst, von Machtkämpfen und Lebenslügen, von Liebe und Enttäuschung ereignet sich in Dunkel-Rostock. Kein Sonnenstrahl, nirgends. Nur Dreck und trübes Wetter und Büros im schalen Kunstlicht. Auf König und Bukow kommt ein Disziplinarverfahren zu, das beide den Job kosten könnte. Sie müssten miteinander reden, doch sie streiten so heftig über Politik, dass sie nicht mal richtig dazu kommen, sich übers BKA und den Staatsschutz zu ärgern. Denn Sylvia Schulte, die Frau, die bei lebendigem Leibe verbrannte, könnte aus politischen Gründen ermordet worden sein. Verdächtig sind politische Gegner der Spitzenkandidatin der rechtspopulistischen P.F.S. für das Oberbürgermeisteramt in Rostock. Auch ihr Liebhaber Karim Jandali, der einst aus Syrien floh und nun an ihrer Seite eloquent Karriere macht, könnte ein Mordmotiv haben. Oder waren es doch diese drei seltsamen Typen, von denen man lange nicht erfährt, was ihre Rolle ist in diesem Spiel? Schultes Jugendclique taucht in irritierenden Szenen auf, die nicht wirklich für Spannung sorgen. Aber hatte tatsächlich jemand diese unscheinbare blonde Frau als Mörderin auf dem Zettel? Er hätte einen Aufmerksamkeitspreis verdient.

Dass das Geheimnis um Schultes militant-rechtsradikale Vergangenheit nicht lückenlos gelüftet wird, ist eine clevere Entscheidung des Drehbuchautors Florian Oeller, der in all diese Düsternis auch einen zarten Hoffnungsschimmer setzt: Schultes Tochter Lena erkennt trotz ihrer Trauer, dass die P.F.S. sie im Wahlkampf rücksichtslos benutzen will. Im richtigen Moment verlässt die junge Frau den Saal.

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